Advertisement

Sind epileptische Anfälle ein wenn auch seltenes Symptom der Encephalomyelitis disseminata?

  • H.-J. Braune
  • G. Huffmann
Conference paper
Part of the Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Neurologie book series (VDGNEUROLOGIE, volume 6)

Zusammenfassung

Hirnorganische Anfälle treten bei Patienten mit Enzephalomyelitis disseminata nur selten auf. In einem großen Kollektiv von 812 solcher Patienten, zusammengestellt von Ritter und Poser 1974 (8), wurden Epilepsien nur in neun Fällen gefunden. Es wurde daraus gesehlossen, daß es sich angesichts der Tatsache einer Prävalenzrate der Epilepsie in der Normalbevölkerung von 0,5 % um ein zufälliges Zusammentreffen dieser beiden Erkrankungen handeln müsse. Hopf et al (3) stellen hingegen 1970 Angaben von 20 Publikationen seit 1905 zusammen, was einem Kollektiv von etwa 8500 Patienten mit Encephalomyelitis disseminata entspricht. In diesem Kollektiv war es bei 207 Patienten gleichzeitig zu gesicherten zerebralen Anfällen gekommen, was also etwa 2,5 % entspricht. Dieser Prozentsatz deckt sich mit demjenigen, der auch in neueren Studien in der Schweiz (4) und in Finnland (5) gefunden wurde. Damit liegt er deutlich über der Prävalenz der Epilepsien, die mit 0,5 % angegeben wird. Insbesondere bei Berücksichtigung der Altersverteilung der beiden Krankheitsbilder mit einem Gipfel im Kindes- und Jugendalter der Epilepsie, aber einem Häufigkeitsgipfel zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr bei Encephalomyelitis disseminate müsse insofern angenommen werden, daß die Koinzidenz nicht zufällig sein könne und epileptische Anfälle bei Patienten mit Enzephalomyelitis disseminata etwa zehnmal häufiger vorkommen als in der Durchschnittsbevölkerung (4).

Literatur

  1. 1.
    Brownell B, Hughes JT (1962) Distribution of plaques in the cerebrum in multiple sclerosis. J Neurol Neurosurg Psychiat 25:315–320PubMedCrossRefGoogle Scholar
  2. 2.
    Frick E (1987) Multiple Sklerose. VHC Verlagsgesellschaft, WeinheimGoogle Scholar
  3. 3.
    Hopf HC, Stamatovic AM, Wahren W (1970) Die cerebralen Anfalle bei der multiplen Sklerose. Z Neurol 198: 256–276PubMedCrossRefGoogle Scholar
  4. 4.
    Kesselring J (1985) Paroxysmale Phänomene bei der Multiplen Sklerose. Schweiz Med Wschr 115:1054–1059PubMedGoogle Scholar
  5. 5.
    Kinnunen E, Wilkström J (1986) Prevalence and prognosis of epilepsy in patiens with multiple sclerosis. Epilepsia 27:729–733PubMedCrossRefGoogle Scholar
  6. 6.
    Poser S (1978) Multiple sclerosis: an analysis of812cases by means of electronic data processing. Springer, Berlin Heidelberg New YorkGoogle Scholar
  7. 7.
    Poser CM, Paty DW, Scheinberg L, McDonald WJ, Davis FA, Ebers GC, Johnson KP, Sibley WA, Silberberg DH, Toutelotte WW (1983) New diagnostic criteria for multiple sclerosis: guidelines for research protocols. Ann Neurol 13:227–231PubMedCrossRefGoogle Scholar
  8. 8.
    Ritter G, Poser S (1974) Epilepsie und Multiple Sklerose. Munch Med Wschr 116:1983–1986Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1991

Authors and Affiliations

  • H.-J. Braune
  • G. Huffmann

There are no affiliations available

Personalised recommendations