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Mentale Bilder — Analoge Repräsentationen

  • Klaus Rehkämper
Conference paper
Part of the Informatik-Fachberichte book series (INFORMATIK, volume 245)

Zusammenfassung

Das Ziel dieser Arbeit ist es, ausgehend von der Diskussion, mentale Bilder als Möglichkeit, Information — insbesondere räumliche Information — auf eine besondere Art und Weise zu repräsentieren, den Begriff der analogen Repräsentation zu untersuchen. Zuerst werden in Ermangelung einer tragfähigen Definition mentaler Bilder zwei Experimente vorgestellt, die ihre Eigenschaften deutlicher hervortreten lassen. Zu einem vorläufigen Abschluß gelangt diese Darstellung durch einen Katalog der wichtigsten Eigenschaften innerer Bilder. Daraus ergibt sich die zentrale Aussage, daß mentale Bilder räumliche Information in einer analogen Art und Weise repräsentieren.

Um den Begriff analog zu motivieren, wird — nach einer Erklärung, was in diesem Zusammenhang unter Repräsentation verstanden werden sollte — die eher intuitive Begriffsbestimmung HAUGELANDs vorgestellt, da sie einige der landläufig mit analog in Verbindung gebrachten Aspekte zusammenträgt. Diese Bestimmung läßt sich innerhalb des formalen Rahmens eines Repräsentationssystems, wie ihn STEPHEN E. PALMER anbietet, einbetten. Daher wird der Vorschlag PALMERs, analog als isomorphe Abbildung mit bestimmten Bedingungen anzusehen, aufgegriffen und geeignet erweitert NED BLOCK präsentiert ein weiteres, etwas anderes Verständnis von analog. Er betont den prozeduralen Aspekt, der auf einer unterhalb der Repräsentation anzusiedelnden Ebene mit ihm verbunden ist.

Ausklang der Arbeit bilden einige kurze Bemerkungen zu der Frage, inwieweit Computermodelle als Repräsentationen mentaler Modelle, die ja einen analogen Anteil aufweisen, dienlich sein können.

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References

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    So können wir die Gefühle anderer Menschen nur mittels eines Analogieschlusses verstehen, sie als den unseren ähnlich erachten — wir sind dazu berechtigt, weil eine weitgehende Übereinstimmung der Grundstruktur vorzuliegen scheint-, nachprüfen können wir diese Gleichheit oder Ähnlichkeit der Gefühle jedoch nie (vgl. Russell, B. (1948): Human knowledge: Its scope and limits. London: George Allen & Unwin Ltd.).Google Scholar
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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1990

Authors and Affiliations

  • Klaus Rehkämper
    • 1
  1. 1.FB Informatik AB Wissens- und SprachverarbeitungUniversität HamburgHamburg 50Deutschland

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