Zur Evaluierung sozialer Trainingskurse

  • Ludwig Kraus
  • Klaus Rolinski
Part of the Forensia-Jahrbuch book series (FORENSIA, volume 1)

Zusammenfassung

Die sog. neuen ambulanten Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz haben sich überraschend schnell in der Praxis der Jugendgerichtsbarkeit durchgesetzt. Unter den Sammelbegriff ambulante Maßnahmen werden so unterschiedliche Konzepte wie Arbeitsweisungen, Betreuungsweisungen, soziale Trainingskurse und der Täter-Opfer-Ausgleich subsumiert. Ihre Gemeinsamkeit besteht darin, daß sie die Maßnahmen des Jugendgerichtsgesetzes (JGG) zur Erziehung von Jugendlichen bei leichter und mittlerer Straffälligkeit um spezifische fürsorgerisch ausgestattete Instrumente erweitern, und insbesondere darin, den Arrest, das freiheitsentziehende Zuchtmittel, zu vermeiden. Wie sehr diese Modelle bereits zum Alltag der Jugendgerichtsbarkeit gehören, zeigt der im August 1988 vor-gelegte Referentenentwurf zur Änderung des Jugendhilfegesetzes, wonach soziale Trainingskurse und Betreuungsweisungen als Hilfe zur Erziehung gesetzlich ver-ankert werden sollen (Bundesminister für Jugend, Familie, Frauen und Ge-sundheit 1988, unveröffentlichter Referentenentwurf).

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Albrecht HJ (1984) Präventive Aspekte der Verfahrenseinstellung im Jugendrecht. In: Walter M, Koop G (Hrsg) Die Einstellung des Strafverfahrens im Jugendrecht. Kriminalpädagogische Praxis, Vechta, S 51–78Google Scholar
  2. Albrecht HJ (1985) Alternativen zur Jugendstrafe: Kriminologische Befunde zum Vergleich freiheitsentziehender und ambulanter Sanktionen. KrimBull 11:46–74Google Scholar
  3. Albrecht HJ, Dünkel F, Spieß G (1981) Empirische Sanktionsforschung und die Begründbarkeit von Kriminalpolitik. MschrKrim 64:310–326Google Scholar
  4. Berckhauer F, Hasenpusch B (1982) Legalbewährung nach Strafvollzug. Zur Rückfälligkeit der 1974 aus dem niedersächsischen Strafvollzug Entlassenen. In: Schwind HD, Steinhilper G (Hrsg) Modelle zur Kriminalitätsvorbeugung und Resozialisierung. Beispiele praktischer Kriminalpolitik in Niedersachsen, Bd. 2. Kriminalistik-Verlag, Heidelberg, S 281–333Google Scholar
  5. Bernsdorf C von (1980) Sozialpädagogische Betreuung junger Straffälliger in Lüneburg und Uelzen - Projektbeschreibung. In: Pomper G, Walter M (Hrsg) Ambulante Behandlung junger Straffälliger. Kriminalpädagogische Praxis, Vechta, S 174–202Google Scholar
  6. Bundesarbeitsgemeinschaft für ambulante Maßnahmen nach dem Jugendrecht (1986) Ambulante sozialpädagogische Maßnahmen für junge Straffällige, 2. vüllig neu bearb. Aufl. Selbst-verlag der DVJJ, MünchenGoogle Scholar
  7. Busch M, Hartmann G, Mehlich N (1986) Soziale Trainingskurse im Rahmen des Jugendgerichtsgesetzes, 3. überarb. Aufl. Bundesministerium der Justiz, BonnGoogle Scholar
  8. Campbell DT, Stanley JC (1963) Experimental and quasi-experimental designs of research on teaching. In: Gage NL (ed) Handbook of research on teaching. Aldine, Chicago, pp 171–246Google Scholar
  9. Cook TD, Campbell DT (1979) Quasi-experimentation. Design and analysis issues for field settings. Rand McNally, ChicagoGoogle Scholar
  10. Dunford FW, Osgood DW, Weichselbaum HF (1982) National evaluation of diversion projects. Final Report. U.S. Department of Justice. WashingtonGoogle Scholar
  11. Eisenhardt T (1977) Die Wirkung der kurzen Haft auf Jugendliche. Fachbuchhandlung fur Psychologie, Frankfurt am MainGoogle Scholar
  12. Farrington D (1979) Longitudinal research on crime and delinquency. In: Morris N, Tonry M (eds) Crime and justice. An annual review of research, vol I. Univ Chicago Press, Chicago, pp 289–348Google Scholar
  13. Fischer H (1986) Müglichkeiten ambulanter Betreuung junger Straffälliger in Uelzen - dargestellt an drei Fallstudien. In: Walter M (Hrsg) Diversion als Leitgedanke - über den Umgang mit jungen Mehrfachauffälligen. Selbstverlag der DVJJ, München, S 53–87Google Scholar
  14. Frehsee D (1988) Zur Suche nach „alternativen Sanktionen“ im Jugendstrafrecht. MschrKrim 71:281–298Google Scholar
  15. Hartung B (1981) Spezialpraventive Effektivitatsmessung. - Vergleichende Darstellung und Analyse der Untersuchungen von 1945–1979. Jur Dissertation, Universität GöttingenGoogle Scholar
  16. Heinz W (1984 a) Ambulante Maßnahmen. Kriminologische Überlegungen und Ausblick. In: Kury H (Hrsg) Ambulante MaBnahmen zwischen Hilfe und Kontrolle. Heymanns, Köln, S 439–594Google Scholar
  17. Heinz W (1984 b) Anstieg der Jugendkriminalitat - Realität oder Mythos? In: Rabe H (Hrsg) Jugend. Beitrag zum Verständnis und zur Bewertung des Jugendproblems. Universitätsverlag, Konstanz, S 53–94Google Scholar
  18. Heinz W (1985) Jugendkriminalität und strafrechtliche Sozialkontrolle. PFA 1/85:35–55Google Scholar
  19. Heinz W (1986) Neue ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz: Forschung und Forschungslücken. In: Bundesminister der Justiz (Hrsg) Neue ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz, 2. Aufl. Bundesministerium der Justiz, Bonn, S 162–195Google Scholar
  20. Heinz W (1987) Neue ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz. MschrKrim 70:129–154Google Scholar
  21. Heinz W (1988) Jugendgerichtshilfe in den 90er Jahren. Bewährungshilfe 35:261–307Google Scholar
  22. Heinz W, Hügel C (1987) Erzieherische Maßnahmen im deutschen Jugendstrafrecht, 2. aktual. Aufl. Bundesministerium der Justiz, BonnGoogle Scholar
  23. Heinz W, Spieß G (1983) Alternativen zu formellen Reaktionen im deutschen Jugendrecht. Ein Forschungsvorhaben zu §§§ 45, 47 JGG und erste Ergebnisse. In: Kerner HJ, Kury H, Sessar K (Hrsg) Deutsche Forschung zur Kriminalitätsentstehung und Kriminalitätskontrolle, Bd. 2. Heymanns, Koln, S 896–955Google Scholar
  24. Hobbel D (1968) Die Bewährung des statistischen Prognoseverfahrens im Jugendkriminalrecht. MschrKrim 51:263–277Google Scholar
  25. Kaiser G (1969) Zum Stand der Behandlungs- und Sanktionsforschung in der Jugendkriminologie. MschrKrim 52:16–28Google Scholar
  26. Kaiser G (1974) Erfolg, Bewährung, Effizienz. In: Kaiser G, Kerner HJ, Sack F, Schellhoss H (Hrsg) Kleines Kriminologisches Worterbuch. Herder, Freiburg, S 75–81Google Scholar
  27. Kaiser G (1977) Konflikte der Jugendlichen mit Institutionen. RdJB 25:404–420Google Scholar
  28. Kaiser G (1985) International vergleichende Perspektiven zum Jugendstrafrecht. In: Schwind HD (Hrsg) Festschrift für G. Blau. De Gruyter, Berlin, S 441 –457Google Scholar
  29. Kaiser G, Heinz W, Albrecht HJ, Ortmann R, Spieß G (1986) Kohortenuntersuchungen -Anlage und methodische Probleme von kriminologischen Forschungen zur Kriminalitatsent-wicklung und -entstehung. In: Kury H (Hrsg) Entwicklungstendenzen kriminologischer Forschung: Interdisziplinare Wissenschaft zwischen Politik und Praxis. Heymanns, Köln, S 163–186Google Scholar
  30. Kerner HJ (1983) Statt Strafe: Diversion? In: Kerner HJ (Hrsg) Diversion statt Strafe? Kriminalistik-Verlag, Heidelberg, S 1–13Google Scholar
  31. Kerner HJ (1984) Jugendgerichtsverfahren und Kriminalprävention. In: DVJJ (Hrsg) Jugendgerichtsverfahren und Kriminalprävention. Selbstverlag der DVJJ, München, S 14–45Google Scholar
  32. Klein MW (1975) Alternative dispositions for juvenile offenders. Univ Southern California, Los Angeles/CAGoogle Scholar
  33. Krüger H (1983) Rückfallquote: rund 30 Prozent. Massenstatistische Beobachtungen der Rückfallkriminalität ausgesuchter Altersgruppen. Kriminalistik 37:326–329Google Scholar
  34. Kupke R (1974) Methoden der Kriminologie. In: Kaiser G, Kerner HJ, Sack F, Schellhoss H (Hrsg) Kleines Kriminologisches Wörterbuch. Herder, Freiburg, S 215–223Google Scholar
  35. Kury H (1983) Zur Methodendiskussion in der Behandlungsforschung. In: Kury H (Hrsg) Methodische Probleme der Behandlungsforschung - insbesondere in der Sozialtherapie. Heymanns, Köln, S 27–79Google Scholar
  36. Kury H (1986 a) Fragen und Probleme der Behandlung Straffälliger und der Behandlungsforschung. In: Kury H (Hrsg) Prognose und Behandlung bei jungen Rechtsbrechern. Eigenverlag Max-Planck-Institut, Freiburg, S 11–85Google Scholar
  37. Kury H (1986 b) Die Behandlung Straffälliger, Teilband 1: Inhaltliche und methodische Probleme der Behandlungsforschung. Duncker & Humblot, BerlinGoogle Scholar
  38. Kury H (1987) Die Behandlung Straffälliger, Teilband 2: Ergebnisse einer empirischen Untersuchung zum Behandlungserfolg bei jugendlichen und heranwachsenden Untersuchungshaftlingen. Duncker & Humblot, BerlinGoogle Scholar
  39. Kury H, Lerchenmüller H (Hrsg) (1981) Diversion. Alternativen zu klassischen Sanktionsformen, 2 Bde. Brockmeyer, BochumGoogle Scholar
  40. Lamnek S (1982) Sozialisation und kriminelle Karriere. Befunde aus zwei Erhebungen. In: Schüler-Springorum H (Hrsg) Mehrfach auffällig. Juventa, München, S 13–85Google Scholar
  41. Lamnek S (1983) Spezialpräventive Wirkungen jugendrichterlicher Maßnahmen. Eine Analyse von Daten des Bundeszentralregisters. In: Albrecht PA, Schüler-Springorum H (Hrsg) Jugendstrafe an Vierzehn- und Fünfzehnjährigen. Strukturen und Probleme. Fink, Göttingen, S17–65Google Scholar
  42. Ortmann R (1987) Resozialisierung im Strafvollzug: Theoretischer Bezugsrahmen und empirische Ergebnisse einer Längsschnittstudie zu den Wirkungen von Strafvollzugsmaßnahmen. Eigenverlag Max-Planck-Institut, FreiburgGoogle Scholar
  43. Pfeiffer C (1983) Kriminalprävention im Jugendgerichtsverfahren. Jugendrichterliches Handeln vor dem Hintergrund des Brücke-Projekts. Heymanns, KölnGoogle Scholar
  44. Pfeiffer C (1986) Ambulante Maßnahmen nach dem JGG. Erfahrungen, Entwicklungstendenzen und kriminalpolitische Perspektiven. In: Bundesminister der Justiz (Hrsg) Neue ambulante Maßnahmen nach dem Jugendgerichtsgesetz, 2. Aufl. Bundesministerium der Justiz, Bonn, S 44–58Google Scholar
  45. Rolinski K, Kraus L (1988) Evaluierung sozialer Trainingskurse und ihre Probleme. Bericht über ein noch nicht abgeschlossenes Forschungsprojekt am Kontakt Regensburg e. V. In: Kaiser G, Kury H, Albrecht HJ (Hrsg) Kriminologische Forschung in den 80er Jahren. Eigenverlag Max-Planck-Institut, Freiburg, S 447–464Google Scholar
  46. Schüler-Springorum H (1984) Schlußreferat zu den Ergebnissen des 19. Deutschen Jugendgerichtstages. In: DVJJ (Hrsg) Jugendgerichtsverfahren und Kriminalprävention. Selbstverlag der DVJJ, München, S 558–570Google Scholar
  47. Sessar K (1984) Jugendstrafrechtliche Konsequenzen aus jugendkriminologischer Forschung: Zur Trias von Ubiquität, Nichtregistrierung und Spontanbewährung im Bereich der Jugendkriminalität. In: Walter M, Koop G (Hrsg) Die Einstellung des Verfahrens im Jugendrecht. Kriminalpädagogische Praxis, Vechta, S 26–50Google Scholar
  48. Spieß G (1986) Der kriminalrechtliche Umgang mit jungen Mehrfachtätern - kriminologische Befunde und kriminalpolitische Überlegungen in Fortführung des Diversionsgedankens. In: Walter M (Hrsg) Diversion als Leitgedanke - über den Umgang mit jungen Mehrfachauffälligen. Selbstverlag der DVJJ, München, S 28–50Google Scholar
  49. Steffen W, Czogalla PP (1982) Intensität und Perseveranz krimineller Verhaltensweisen. Untersuchung der Möglichkeiten des datenmäßigen Abgleichs von Täterbegehungsmerkmalen zur Fallzusammenführung, Teil II. Kriminologische Forschungsgruppe der Bayerischen Polizei. Bayerisches Landeskriminalamt, MünchenGoogle Scholar
  50. Steinhilper M (1986) Bericht über einen Modellversuch in Uelzen mit Empfehlungen für den Aufbau ambulanter Betreuungsprogramme. In: Niedersächsischer Minister der Justiz (Hrsg) Neue ambulante Maßnahmen nach § 10 Jugendgerichtsgesetz in Niedersachsen, 2. erg. Aufl. Niedersächsisches Ministerium der Justiz, Hannover, S 1–111Google Scholar
  51. Steinhilper M, Fischer H (1982) Ambulante sozialpädagogische Betreuung junger Straffälliger. Ein Modellversuch in Uelzen. In: Schwind HD, Steinhilper G (Hrsg) Modelle zur Kriminali tätsvorbeugung und Resozialisierung. Beispiele praktischer Kriminalpolitik in Niedersachsen, Bd. 2. Kriminalistik-Verlag, Heidelberg, S 113–143Google Scholar
  52. Stemmild F (1988) Optimistische Bilanz beim sozialen Trainingskurs Frankfurt. Informationsdienst 4/88:29–34Google Scholar
  53. Villmow B, Stephan E (1983) Jugendkriminalität in einer Gemeinde. Eine Analyse erfragter Delinquenz und Viktimisierung sowie amtlicher Registrierung. Eigenverlag Max-Planck-Institut, FreiburgGoogle Scholar
  54. Voß M (1983) Über das keineswegs zufällige Zusammentreffen von Gefängnisausbau und der Einrichtung ambulanter Alternativen. In: Kerner HJ (Hrsg) Diversion statt Strafe? Kriminalistik Verlag, Heidelberg, S 95–116Google Scholar
  55. Voß M (1984) Die ambulanten Maßnahmen auf dem Prüfstand: Mehr Hilfe oder mehr Kontrolle im Jahr 1984? In: DVJJ (Hrsg) Jugendgerichtsverfahren und Kriminalprävention. Selbstverlag der DVJJ, München, S 341–358Google Scholar
  56. Walter M (1982) Das Risiko weiterer Straffülligkeit als Voraussetzung ambulanter Betreuungsangebote in der jugendrichterlichen Praxis. MschrKrim 65:152–182Google Scholar
  57. Walter M (1986) Überlegungen zum kriminalrechtlichen Umgang mit jungen Mehrfachauffälligen. In: Walter M (Hrsg) Diversion als Leitgedanke - über den Umgang mit jungen Mehrfachauffälligen. Selbstverlag der DVJJ, Munchen S 5–27Google Scholar
  58. Weinschenk C (1989) Kritische Bemerkungen zu einer „optimistischen Bilanz eines sozialen Trainingskurses“. Informationsdienst 1/89:6–8Google Scholar
  59. Weschke E, Krause W (1983) Auswertung polizeilicher Unterlagen in Berlin über Kinder, Jugendliche und Heranwachsende des Jahrgangs 1953. In: Autorengruppe Jugenddelinquenz (Hrsg) Handlungsorientierte Analyse von Kinder- und Jugenddelinquenz. Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege, Berlin, S 211–298Google Scholar
  60. West D, Farrington D (1977) The delinquent way of life. Third report of the Cambridge study in delinquent development. Heinemann, LondonGoogle Scholar
  61. Weyel FH (1989) Zur Entwicklung des Sanktionsverhaltens der Jugendgerichte im Landgerichtsbezirk Frankfurt der letzten Jahre, insbesondere hinsichtlich der freiheitsentziehenden Maßnahmen Jugendstrafe und Jugendarrest. Informationsdienst 1/89:13–21Google Scholar
  62. Wilke D (1983) Erzieherisch gestaltete Gruppenarbeit. In: Institut für soziale Arbeit e. V (Hrsg) Soziale Trainingskurse. Zur ambulanten Arbeit mit straffälligen Jugendlichen. Institut fur soziale Arbeit, MinisterGoogle Scholar
  63. Wolfgang M, Figlio R, Sellin T (1972) Delinquency in a birth cohort. Univ Chicago Press, ChicagoGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York 1990

Authors and Affiliations

  • Ludwig Kraus
  • Klaus Rolinski

There are no affiliations available

Personalised recommendations