Stellung und Aufgaben des Sachverständigen im Strafverfahren

  • Klaus Ulsenheimer
Part of the Forensia-Jahrbuch book series (FORENSIA, volume 1)

Zusammenfassung

Angesichts der rasanten Entwicklung der medizinischen Wissenschaft, ihrer zunehmenden Spezialisierung, immer komplizierterer Untersuchungs- und neuen diagnostischen und therapeutischen Behandlungsmethoden sowie angesichts der fortschreitenden Perfektionierung der Technik hat sich der Abstand zwischen dem, was „man weiß“, d. h. dem Allgemeinwissen, und dem „Stand der jeweiligen Wissenschaft“ enorm ausgeweitet. Eine riesige Lücke klafft zwischen dem, was der Richter an Kenntnissen für die zu entscheidenden Sachverhalte mitbringt, und dem, was er wissen muß, um die Verantwortung für seine Entscheidung tragen zu künnen.1 Dadurch bedingt haben im Strafprozeß der Richter, im Er-mittlungsverfahren der Staatsanwalt und gegebenenfalls der Verteidiger immer häufiger auf Gutachten zurückzugreifen, um sich die nötige Sachkunde zu ver-schaffen. Auf diese Weise wird der Sachverstandige „weitgehend eine den Tather-gang ermittelnde und die Entscheidung vorprogrammierende Institution“ 2, aus dem „Richtergehilfen“ oder neutralen „Richterberater“ ist de facto in den zentra-len Fragen des Falles der „Gerichtsherr“ geworden. Die Autorität des Richters, die auf der staatlichen Gewaltenteilung, seiner Unabhängigkeit und Bindung an Recht und Gesetz beruht, wird de jure zwar nicht angetastet, aber doch erheblich relativiert. Denn überall da, wo es um Spezialwissen geht, beherrscht der die Szene, der über dieses Wissen verfügt, und das ist eben der Sachverständige.

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Anmerkungen

  1. 1.
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Copyright information

© Springer-Verlag, Berlin Heidelberg New York 1990

Authors and Affiliations

  • Klaus Ulsenheimer
    • 1
  1. 1.Munchen 19Deutschland

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