Rezidivprophylaxe psychiatrischer Erkrankungen

  • B. Müller-Oerlinghausen
Conference paper
Part of the Verhandlungen der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin book series (VDGINNERE, volume 95)

Abstract

Psychiatrische Erkrankungen sind häufig rekurrierender Natur; dies gilt sowohl für affektive sowie schizophrene Psychosen. Deswegen kommt der Sekundärprophylaxe derartiger Erkrankungen eine große Bedeutung zu, — dies nicht nur im Hinblick auf die Vermeidung von immer wieder neu auftretenden individuellen Störungen, die ja nicht nur den Patienten sondern fast immer auch seine Umwelt tangieren, sondern auch im Hinblick auf die Verhinderung chronifizierter Langzeitverläufe. Die Bedeutung einer effektiven Rezidivprophylaxe kann auch in volkswirtschaftlichen Parametern eindrucksvoll dargestellt werden. Bei den affektiven Psychosen ist außerdem daran zu denken, daß hier das Suizidrisiko außerordentlich hoch ist. Es ist damit zu reclinen, daß 10 bis 20% der Patienten mit unipolarem oder bipolarem Verlaufstyp manisch-depressiver Psychosen sich schlußendlich suizidieren.

In diesem Beitrag wird zunächst, wenn auch nur kursorisch auf die Rezidivprophylaxe schizophrener Psychosen mittels neuroleptischer Langzeitmedikation eingegangen und der derzeitige Stand des Wissens hierzu diskutiert. Besonders wichtig erscheint hierbei die Frage, wie lange eine derartige Prophylaxe durchgeführt werden muß, bzw. aus welchen Gründen und mit welchem Risiko die Behandlung abgebrochen werden kann. Auf die notwendigen Kontrollen, die auch der niedergelassene Arzt für Allgemein-Medizin kennen und ggf. durchführen sollte, wird hingewiesen.

Von größerer Bedeutung für die allgemein-medizinische Praxis dürfte wahrscheinlich die Rezidivprophylaxe bei depressiven bzw. manisch-depressiven Patienten sein. Hierfür kommen einerseits Antidepressiva, andererseits Lithiumsalze bzw. bestimmte Antikonvulsiva wie z.B. Carbamazepin (Tegretal, Timonil etc.) in Frage. Es werden die Indikationen für eine derartige Dauermedikation, die Erfolgsraten, damit verbundene Risiken und Kontra-Indikationen sowie notwendige Kontrolluntersuchungen besprochen. Dies wird durch Ergebnisse der Berliner „Lithium-Katamnese“, die seit 1967 existiert, im einzelnen illustriert werden.

Copyright information

© Springer-Verlag, Berlin Heidelberg 1989

Authors and Affiliations

  • B. Müller-Oerlinghausen
    • 1
  1. 1.Institut für Forensische PsychiatrieBerlinDeutschland

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