Tier- und Pflanzenzüchtung

  • H. L. Le Roy
Conference paper
Part of the Medizinische Informatik und Statistik book series (MEDINFO, volume 17)

Zusammenfassung

In der Tier- und Pflanzenzucht hat es der Züchter, sei er nun theoretisch oder praktisch orientiert, mit Untersuchungs- und Zuchteinheiten zu tun, an denen eine Vielzahl von Merkmalen über mehr oder weniger lange Zeitperioden gemessen oder beurteilt werden müssen. Die Selektion — bzw. die Zuchteinheit — ist nicht das Merkmal X zum Zeitpunkt t, sondern der Merkmalsträger, also ein komplexes Lebewesen! Das Ziel einer Untersuchung zuhanden der Züchtung ist vielseitig und kann z.B. sein:
  1. a)

    die numerische Charakterisierung von einfach messbaren oder einfach zu beurteilenden Merkmalen. Es stehen quantitative und qualitative Merkmale zur Diskussion, wobei bestimmte Merkmalsäusserungen oft nur über sinnvoll gewählte Code-Zahlen erfasst werden können.

     
  2. b)

    das gedankliche und numerische Erfassen ganzer Kausalsysteme eines komplexen, verbal formulierten Merkmals, wie z.B. die Fruchtbarkeit, die Kondition, das Wachstum usw., also eine für die objektive Kennzeichnung in keiner Weise genügende Scheindefinition : Das Merkmal weist vorerst keinen numerischen Wert auf und kann eventuell bloss über einen für die Züchtung optimalen Index einigermassen wirksam erfasst werden.

     
  3. c)

    die Beurteilung von Merkmalen als Funktion der Zeit, in Abhängigkeit von exo- und endogenen Einflüssen oder z.B. die Merkmalsprägung X zum Zeitpunkt t als mögliche Folgeerscheinung früher gemessener Merkmalsäusserungen. Hiezu gehört z.B. das Absetzgewicht von Ferkeln als Funktion der Wurfgrösse, der Trächtigkeitsdauer, des Geburtsgewichtes, der Säuge- und „Pflege“-Leistung des Muttertieres usw. Analoge und kompliziertere Kausalsysteme liegen fast allen Merkmalsäusserungen bei Tieren und Pflanzen zugrunde.

     
  4. d)

    Gegenstand einer Untersuchung können auch multivariate Studien bilden, die z.B. zuhanden der Individual- und Familienselektion, der Gruppen-, Familien- oder Rassendefinition durchgeführt werden.

     
  5. e)

    Wichtig sind weiter Modellbetrachtungen zu Evolutionsproblemen wie z.B. das Studium der Wechselwirkung zwischen künstlicher und natürlicher Selektion über mehrere Generationen, das Verhalten der Population bei künstlicher Selektion nach maximaler Wirtschaftlichkeit bzw. nach optimalen Bedingungen, bezogen auf die der künstlichen Selektion ausgesetzten Individuen.

     
  6. f)

    Untersuchungen über Populationsstruktur bezogen auf Altersaufbau und kombinierte Produktionsrichtungen mit variierenden Anteilen, verbunden mit einer Risikoanalyse, ein Themenkreis, der in der Tierzucht unter “utility”- oder “risk-preference”-Funktionen bekannt ist. Hiezu gehört z.B. die Auswertung von Kreuzungsversuchen mit Hilfe der quadratischen Programmierung, wobei relevante Streuungsparameter eingebaut werden.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1980

Authors and Affiliations

  • H. L. Le Roy
    • 1
  1. 1.Institut für Tierproduktion Gruppe Biometrie und theoretische PopulationsgenetikEidg. Technische HochschuleZürichSwitzerland

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