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Das „Moralische“

  • Martin Schrenk
Part of the Monographien aus dem Gesamtgebiete der Psychiatrie book series (PSYCHIATRIE, volume 10)

Zusammenfassung

Von allen Begriffen, die den Anfang der wissenschaftlich-institutionalisierten Beginn der Psychiatrie bestimmen, ist „moral“der gewichtigste und folgenschwerste. Er bezeichnet die Art und Weise, wie Fr. Willis und Chiarugi, Pinel und Langermann, Reil und die „anthropologischen“Ärzte um Nasse, Hayner, Jacobi, Heinroth mit ihren Kranken umgegangen sind. Das „Moralische“in der „Curmethode“wird von den deutschen Autoren um 1800 (Reil, Langermann 1805) mit „psychisch“übersetzt. Aber Friedrich Nasse erinnert 1823 in seinem großen, programmatischen Aufsatz „Die Aufgaben der Anthropologie““an die — um 1820 fast vergessene — Geschichte der Anthropologie und an ihren „Begründer“Otto Casmann (1562–1607). Nasse geht auf Casmann nicht näher ein. Schlägt man aber in dessen „Psychologia anthro-pologica sive animae humanae doctrina“(1594) nach, so findet man dort die Definition der „menschlichen Natur“: Sie erscheint „in zweifacher Form — geistig und leiblich, ist aber im Grunde eins“. Dieser anthropologische Begriff einer „gedoppelten Natur“(Walchs Philosophie Lexikon, 1726) entfaltet sich im 17. und vor allem im 18. Jahrhundert, findet mehr und mehr Eingang in die medico-philosophischen Diskussionen (von Pinel bis zu dem Kreis der führenden Psychiater um 1820/30) und wird immer — auch bei den meisten deutschen Autoren — definiert als „physisch und moralisch“2.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1973

Authors and Affiliations

  • Martin Schrenk
    • 1
  1. 1.Universitäts-KlinikenHomburg/SaarGermany

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