Diskussionsbemerkung

  • P. Mellin
Part of the Verhandlungsbericht der Deutschen Gesellschaft für Urologie book series (VBDGUROLOGIE, volume 23)

Zusammenfassung

Man kann den Effekt der Ligatur der Vena spermatica zur Behandlung der Varicocele hämodynamisch mit der hohen Unterbindung der Vena saphena zur Behandlung der Varicosis cruris vergleichen. Die Saphenaligatur verhindert am stehenden Patienten den venösen Rückstrom von Blut aus der Vena femoralis, und in ähnlicher Weise wird durch die Spermatikaligatur der Rückfluß von Blut aus der linken Nierenvene in den Plexus pampiniformis verhütet. Bei solchen Parallelen liegt es nahe, den venösen Rückfluß auf ähnliche Ursachen zurückzuführen. Der Reflux in die Vena saphena wird einer Klappeninsuffizienz angelastet, und dementsprechend wird vielfach auch in der Vena spermatica interna ein Undichtwerden von Klappen angenommen, das dann eine Varicocele verursacht. Es gelang uns allerdings nie, bei Kontrastdarstellungen dieses Gefäßes anläßlich von Spermatikaligaturen einen Hinweis auf Venenklappen zu finden. Da die Angaben in der Literatur über die anatomischen Verhältnisse widersprüchlich sind, untersuchte mein Mitarbeiter Schach zusammen mit dem pathologischen Anatomen Girgenson die Venae spermaticae von 30 männlichen Leichen ohne Varicocele. Es wurde folgendes festgestellt: Die linke Vena spermatica interna war in allen Fällen einschließlich ihrer Einmündung in die Vena renalis klappenlos. Im Plexus pampiniformis und in kleinen, in die Spermatica einmündenden Gefäßen ließen sich Klappen nachweisen. Die rechte Vena spermatica interna war ebenfalls stets klappenlos, jedoch wurde konstant eine Klappe an der Einmündung dieses Gefäßes in die Vena cava caudalis nachgewiesen. Diese Klappe sorgt dafür, daß rechtsseitig eine Varicocele so gut wie nie auftritt. Die linksseitige Varicocele auf eine Klappeninsuffizienz zurückzuführen, ist nach diesen Untersuchungen nicht berechtigt.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1971

Authors and Affiliations

  • P. Mellin
    • 1
  1. 1.Klinik d. Ruhruniv.EssenDeutschland

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