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Schamschi-Adad I. von Assyrien, Soldat und Prinzenerzieher

  • W. Frh. v. Soden
Part of the Verständliche Wissenschaft book series (VW, volume 54)

Zusammenfassung

Die 3. Dynastie von Ur hatte das Sumerertum noch ein letztes Mal politisch in die Führung gebracht; die Akkader Nordbabyloniens und Assyriens und die Semiten Mesopotamiens mußten ebenso wie andere Nachbargebiete diese Führung anerkennen. Von Assyrien aus konnten unter dem Schutz dieser Dynastie sogar im fernen Kappadokien in Kleinasien Handelskolonien angelegt werden, die den allgemeinen Wohlstand noch weiter steigern halfen. Der zunehmende Einfluß des Semitentums kam allerdings darin zum Ausdruck, daß die sumerische Sprache immer mehr akkadische Lehnwörter aufnahm und die letzten Herrscher dieser Dynastie schon akkadische Thronnamen trugen. Das Ende der Dynastie nach wenig mehr als hundertjähriger Herrschaft wurde aber von außen herbeigeführt. Arabien war nämlich erneut in Bewegung gekommen, gewiß wie früher aus Mangel an Nahrung für die wachsende Bevölkerung. Stämme und Stammesgruppen von semitischen Beduinen, die kanaanäische Dialekte sprachen, drangen in Syrien-Palästina und Mesopotamien gegen das Fruchtland an und suchten neue Weidegebiete oder auch Landstriche, die ihnen neben der Viehwirtschaft auch den Ackerbau ermöglichten. Unternehmungslustige Führer faßten die Jungmannschaft zusammen und griffen, wo immer möglich, auch die Städte an oder verdingten sich dem Meistbietenden als Soldaten. Wo sie sich in einer Stadt festsetzen konnten, gründeten sie lokale Dynastien, die sich kulturell ganz den Unterworfenen anpaßten, nicht selten auch in der Namengebung. Unter dem letzten König der 3. Dynastie von Ur Ibbi-Sin (1980 bis 1955) führten Angriffe des wiedererstarkenden östlichen Nachbarn Elam zu einer Schwächung Babyloniens, die kanaanäischen Gruppen die Festsetzung in babylonischen Städten ermöglichte. In den Kämpfen der verschiedenen Gruppen wurde das Reich von Ur zerrieben, ohne daß es einem der neuen Dynasten gelang, ganz Babylonien seiner Herrschaft zu unterwerfen. Das Land fällt daher nun für gut 250 Jahre in mehrere Herrschaften auseinander, die sich je nach Bedarf gegenseitig bekämpfen oder auch wieder zusammengehen. Über die Kämpfe und die Persönlichkeiten dieser Herrscher wissen wir infolge der inhaltlichen Dürftigkeit ihrer sumerischen Inschriften herzlich wenig. Trotz meist recht bescheidener Machtstellung ließen auch sie sich großenteils wie die Könige von Ur schon zu Lebzeiten zu Göttern erheben, nachdem sie als Voraussetzung dafür die lebenschaffende Hochzeit von Gott und Göttin mit einer Priesterin nachvollzogen hatten (sogenannte „heilige Hochzeit“). Den auf sie als Götter gedichteten sumerischen Hymnen, die oft im Ichstil gehalten sind, läßt sich an geschichtlichen Tatsachen ebenfalls nichts Wesentliches entnehmen, weil sie zu formelhaft sind. Wir erfahren aus ihnen nur, daß das Königsideal, das wir bei Gudea kennen lernten, sich nicht wesentlich geändert hat. Der an Zahl immer stärker werdende semitische Bevölkerungsteil war politisch bestimmend, kam aber kulturell zunächst nur im Norden des Landes nach und nach stärker zur Geltung.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1954

Authors and Affiliations

  • W. Frh. v. Soden
    • 1
  1. 1.GöttingenDeutschland

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