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Schamkonflikte in der Kultur

  • Léon Wurmser

Zusammenfassung

Das in Kap. 3 entworfene Modell der inneren und äußeren Grenzen kann aber den kulturellen und sozialen Phänomenen der Scham nicht völlig gerecht werden. Es ist gleichsam nur horizontal. Die vertikale Dimension ist in diesem Zusammenhang unerläßlich: ohne die Miteinbeziehung der Idealbildung und des Teilhabens dieser Ideale an denen einer weiteren Gemeinschaft sind die Schamphänomene einfach undenkbar. Das, was mit dem horizontalen Modell erfaßt wird, nämlich jene „innere Grenze“ der Privatheit, umschreibt einen Kern der Identität und Integrität, der unter dem Primat gewisser Ideale und Werte steht. Das ideale Selbst entspricht innerlich dem Bild des idealen anderen, vor dessen Auge man bestehen muß und von dem man angenommen und geachtet werden will. Damit ist es der andere als Autorität, als Auctoritas, als eine „Macht, die einem das innere Wachstum gewährleistet“, ursprünglich offensichtlich eine als gesteigert erlebte Elterngestalt. Dies ist aber ein hierarchisches Prinzip, das ganz verinnerlicht als Ich-Ideal, äußerlich als „Geist der Gemeinschaft“ oder als „Gott“ erscheint. Damit vertritt diese innere Autorität — als „Auge“ wie als „Bild“ — sowohl das Eigenste als auch das Beste der Gemeinschaft, an der man teilhaben, partizipieren möchte, mag diese konkret, mag sie auch ganz eine „Aristokratie des Geistes“, überzeitlich und abstrakt sein.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1998

Authors and Affiliations

  • Léon Wurmser
    • 1
  1. 1.TowsonUSA

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