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Beweist die Geschichte die Aussichtslosigkeit von Umweltpolitik?

  • Joachim Radkau
Part of the Veröffentlichungen der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg book series (VERAKADEMIE)

Zusammenfassung

Manche angeblichen „Lehren aus der Geschichte“ genießt man besser mit Vorsicht: Oft handelt es sich in Wahrheit um aktuell motivierte Positionen, die nur mit Geschichte verkleidet sind. Wer sich dagegen intensiv und kritisch mit Vergangenem befaßt, dürfte häufig zu dem Schluß kommen, daß die Geschichte in ihren Lehren für die Gegenwart mehrdeutig, wenn auch nicht beliebig auslegbar ist. Es hatte seine Gründe, wenn die moderne Geschichtswissenschaft, so wie sie in Deutschland im 19. Jahrhundert entstand, gegenüber der lehrhaften Historiographie der Aufklärung teilweise einen antididaktischen Grundimpuls besaß und großen Wert darauf legte, vergangene Zeiten erst einmal aus sich selbst heraus zu verstehen und nicht mit Blick auf die Gegenwart durchzukorrigieren. Dieses historistische Ideal ist freilich in Reinform unerreichbar; irgendwie betrachtet der Historiker — wie alle Menschen — die Vergangenheit stets durch die Brille seiner Gegenwart, und er tut gut daran, dies nicht zu vergessen. Und die Menschen lernen stets durch historische Erfahrung, ob sie wollen oder nicht; auch hinter abstrakten Theorien verbirgt sich ein raum- und zeitgebundener Erfahrungsfundus. Unter diesen Umständen stellt sich dem Historiker vor allem die Aufgabe, dafür zu sorgen, daß das Lernen aus der Geschichte auf überlegte Art und unter Berücksichtigung der Ambivalenz historischer Erfahrungen geschieht.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1996

Authors and Affiliations

  • Joachim Radkau

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