Zusammenfassung

Unternimmt man es, den Begriff der Krankheit unter den Aspekten der Philosophie zu betrachten, so muß man sich der Tatsache bewußt sein, daß man eine Thematik behandelt, die der professionellen Arbeit des Arztes zunächst einmal sehr fern zu liegen scheint. Der Arzt hat es mit den vielen unterschiedlichen einzelnen Krankheiten zu tun, die er diagnostiziert, vor allem aber mit den Patienten selbst, die an diesen Krankheiten leiden, und die er gemäß den Regeln seiner Kunst zu therapieren sich bemüht. Er hat es aber nicht mit der Krankheit als solcher zu tun und schon gar nicht mit ihrem Begriff. Die Frage nach diesem Begriff, also danach, was eine Krankheit eigentlich zur Krankheit macht, ist eine Frage, die er auf sich beruhen lassen kann und die er auch auf sich beruhen läßt, solange er in seinem Beruf der jeweiligen Forderung des Tages gerecht zu werden sucht. Mit Recht sagt Karl Jaspers: „Was gesund und was krank im allgemeinen bedeutet, darüber zerbricht sich der Mediziner am wenigsten den Kopf.“In einem ähnlichen Sinn formuliert Fritz Hartmann in bezug auf die Begriffe von Gesundheit und Krankheit: „Diese beiden Begriffe haben für die praktische und die wissenschaftliche Medizin keinerlei normative Bedeutung.“Rudolf Virchow schließlich stellt fest, daß die Möglichkeit der Verständigung in dem Augenblick aufhört, in dem die Frage gestellt wird, was Krankheit eigentlich sei.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1995

Authors and Affiliations

  • W. Wieland

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