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Erfahrungen mit dem Einsatz der Bio- und Gentechnologie in einem praktischen Pflanzenzuchtbetrieb

  • Josef F. Seitzer
Part of the Veröffentlichungen der Akademie für Technikfolgenabschätzung in Baden-Württemberg book series (VERAKADEMIE)

Zusammenfassung

Seit den 80er Jahren sind biotechnologische Methoden, vor allem Zell- und Gewebekulturtechniken, aus der praktischen Züchtung nicht mehr wegzudenken. Sie ergänzen die herkömmlichen Methoden bei der Schaffung von Ausgangsvariation, bei der Selektion und bei der Pflanzguterzeugung. Dabei ist die relative Vorzüglichkeit konventioneller und biotechnologischer Methoden von der Fruchtart, von den zu verbessernden Merkmalen und von der Ressourcenausstattung des Zuchtbetriebes abhängig.

In Zukunft werden wichtige Beiträge zur Pflanzenzüchtung auch von den molekularbiologischen Methoden erwartet, die aus der Grundlagenforschung langsam in den Anwendungsbereich vordringen. Die größte Bedeutung in der nächsten Zeit wird aus der Sicht der praktischen Züchtung den molekularen Markertechniken beigemessen. Darüberhinaus wird die Gentechnik ganz neue Lösungsansätze vor allem für die Resistenzzüchtung und zur Verbesserung von Pflanzen als nachwachsende Rohstoffe bringen.

Technische Fortschritte, agrarpolitische Maßnahmen, Umweltschutzaspekte und gestiegene Anforderungen der Verbraucher erfordern immer schnellere Anpassungen der Züchtungsziele. Bei einer Entwicklungsdauer von 12 bis 15 Jahren wird es immer schwieriger die zukünftige Vermarktungssituation für eine Sorte vorherzusagen. Gleichzeitig wird auch der Sortenwechsel bei den Landwirten schneller. Für die notwendige anwendungsorientierte Forschung besteht deshalb begründeter Bedarf an öffentlichen Fördermitteln, um die Wettbewerbsfähigkeit der mittelständisch strukturierten deutschen Pflanzenzüchtung auch im europäischen Markt zu erhalten.

Der Einsatz gentechnologischer Methoden in der Pflanzenzüchtung wird durch die gesellschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen in Deutschland stark behindert. Schon der Aufwand für Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen steht derzeit in keinem sinnvollen Verhältnis zum wirtschaftlichen Nutzen solcher Versuche. Die daran anschließende Entwicklung und Vermarktung von Produkten, d.h. transgenen Sorten, erscheint unter den herrschenden Rahmenbedingungen fast unmöglich. Dies könnte erhebliche Nachteile für die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Landwirtschaft bewirken.

Der Diskussionsprozeß zur Anwendung gentechnologischer Methoden in der Landwirtschaft muß gestärkt und auf breiter Ebene weitergeführt werden. Dabei müssen pauschale (Vor)urteile einer Fall-zu-Fall-Betrachtung weichen. Damit die vielversprechenden Ergebnisse aus der gentechnologischen Forschung auch in Deutschland zum Nutzen der Landwirtschaft und der Umwelt eingesetzt werden können, müssen alle gesellschaftlich relevanten Gruppen aktiv zu einer konstruktiven Aufklärung und Diskussion beitragen.

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Literatur

  1. GIBiP (1994) GIBiP database on field trials with genetically modified plants (GMPs). UnpublishedGoogle Scholar
  2. OECD (Organisation for Economic Co-operation and Development) (1993) Field releases of transgenic plantsGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1995

Authors and Affiliations

  • Josef F. Seitzer
    • 1
  1. 1.KWS - Kleinwanzlebener Saatzucht AGEinbeckDeutschland

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