Zusammenfassung

Bernhard Aschner wurde als Sohn von Adolf und Pauline Aschner, geb. Blaustern, geboren. Er besuchte das Gymnasium in Wien und studierte an der Alma Mater Rudolfina Medizin. Von 1904 bis 1907 war er Demonstrator am Anatomischen Institut, danach wurde er als Operationszögling an der Wiener Universitätsklinik für Chirurgie unter dem Billroth-Schüler Anton Freiherr von Eiseisberg (1860—1939) (s. Bild) angestellt. 1908 wechselte er an die berühmte 1. Frauenklinik von Friedrich Schauta (1849–1919). Neben seiner klinischen Ausbildung begann Aschner wissenschaftliche Untersuchungen an außerklinischen Instituten. Sein Forschungsobjekt war die Hypophyse. Er wollte erreichen, was bisher nicht möglich war: eine Hypophysektomie, die von den Tieren überlebt wird. Bei dem Pathologen Paltauf (1858–1924) konnte Aschner seine Untersuchungen zur Funktion der Hypophyse und des Hypothalamus durchführen. Er stellte dabei fest, daß die häufigste Todesursache bei den bisher ausgeübten transzerebralen Methoden die Verletzung des Circulus arteriosus Willisii war. Mit Hilfe der bukkalen Route gelang es ihm, bei jungen Hunden die Hypophyse total zu entfernen. Die Hunde überlebten alle, waren aber im Wachstum zurückgeblieben und sahen aus, als ob sie einer anderen Rasse angehören würden. Bei Hündinnen führte die Hypophysektomie zur Atrophie der Genitalorgane und zum Fettansatz. Aschner berichtete selbst, daß ihm Eiseisberg nie verziehen habe, das Hypophysenproblem so elegant gelöst und damit erreicht zu haben, was ihm selbst versagt geblieben war. Etwa zur gleichen Zeit wie Aschner kommt H. W. Cushing zu entsprechenden Ergebnissen; er soll die Technik in Wien erlernt haben. Harvey W. Cushing (1869–1939) war seit 1911 Profesor für Chirurgie an der Harvard University.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1995

Authors and Affiliations

  • Gerhard Bettendorf
    • 1
  1. 1.Abteilung für klinische und experimentelle EndokrinologieUniversitäts-FrauenklinikHamburgBundesrepublik Deutschland

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