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Verarbeitung des Schwangerschaftsabbruchs nach pathologischen Amniozentesebefund: Schulderleben und Schuldgefühle

  • Ulrike Schmidt
  • Gerhard Wolff
  • Christine Jung
Conference paper

Zusammenfassung

Anhand eines halbstrukturierten Interviewleitfadens führten wir Gespräche mit 15 Frauen im Alter von 29–50 Jahren 2–6 Jahre nach einem oder mehreren Schwangerschaftsabbrüchen wegen eines pathologischen Amniozentesebefundes. Die Interviews wurden auf Band aufgezeichnet und transkribiert. Die Auswertung erfolgte mittels qualitativer Inhaltsanalyse.

Für die meisten Frauen war das Interview seit längerer Zeit die erste Möglichkeit über den Schwangerschaftsabbruch zu sprechen. Der Tod des Kindes wurde von allen als körperliches und seelisches Trauma erlebt. Eine schwerwiegende Belastung war für die befragten Frauen, daß sie sich aktiv und selbstverantwortlich gegen das eigene Kind entschieden hatten. Die Mehrzahl der Frauen erlebte den Abbruch als schuldhaftes Vergehen, nur 2 Frauen des befragten. Kollektives litten nicht unter Schuldgefühlen. Bei der Verarbeitung scheinen unterschiedliche Qualitäten von Schuldgefühlen mit unterschiedlichen Inhalten von Selbstvorwürfen und Ängsten eine Rolle zu spielen. Häufig sind Selbstvorwürfe wegen des Verstoßes gegen das Tötungsverbot, die Angst vor Verurteilung und vor Vorwürfen anderer sowie das Schamgefühl, keine vollwertige Frau zu sein. In einigen Fällen waren Tendenzen der Selbstbestrafung, des Wiedergutmachens bzw. der Wunsch, die Schuld abzubüßen, zu beobachten. Als weitere häufige Mechanismen des Umganges mit den Schuldgefühlen konnten Ablenkung und Verdrängung beobachtet werden. Nur 6 Frauen ist es im Laufe der Zeit gelungen, ihr Schulderleben und ihre Schuldgefühle zu verarbeiten und bewußt die Verantwortung für den Schwangerschaftsabbruch zu übernehmen.

Die Interviews zeigen, daß in dem untersuchten Kollektiv das Erleben und die Verarbeitung des Schwangerschaftsabbruchs individuell sehr unterschiedlich sind, und daß auch noch Jahre nach einem Schwangerschaftsabbruch wegen eines pathologischen Amniozentesebefundes eine unzureichende Verarbeitung von Schuld und Schuldgefühlen insofern von Bedeutung ist, als sie den notwendigen Trauerprozeß nach dem Verlust des Kindes blockiert.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1994

Authors and Affiliations

  • Ulrike Schmidt
  • Gerhard Wolff
  • Christine Jung

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