Balint-Arbeit im Rahmen der Gerontopsychiatrie

  • R. D. Hirsch
Conference paper

Zusammenfassung

Im Umgang mit psychisch kranken Älteren und deren Angehörigen geben wir Professionelle sehr schnell Handlungsanweisungen oder Ratschläge. Oft erkennen wir eine familiäre Pathobiose und versuchen diese mit allen möglichen Rezepten aufzulösen. Immer wieder müssen wir aber erfahren, daß sich die Betroffenen nicht an unsere Anweisungen halten und sind dann verärgert, frustriert und resignieren manchmal. Wird uns auch als Professionellen Fachkompetenz zugebilligt und sind wir auch oft der Meinung, zu wissen, was „das Beste“ für einen Patienten ist, so verfolgen wir nur allzuoft rigide ein Behandlungsziel, ohne das tatsächliche Anliegen eines Patienten zu verstehen. Balint (1980) beschreibt diese Vorgehensweisen als „apostolische Funktionen“. Er versteht hierunter einmal, „daß jeder Arzt eine vage, aber fast unerschütterliche feste Vorstellung“ davon hat, „was das Rechte für seine Patienten sei, was sie hoffen sollten, dulden müßten“. Als wäre es „des Arztes heilige Pflicht“, „die Unwissenden und Ungläubigen unter den Patienten zu diesem, seinem Glauben zu bekehren“. Als weitere „apostolische Funktion“ bezeichnet Balint das Bedürfnis des Arztes, „seinem Patienten, der Welt als ganzes und vor allen Dingen sich selber zu beweisen, wie gut, nett, gescheit und tüchtig er ist“.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1993

Authors and Affiliations

  • R. D. Hirsch

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