Biologisch orientierte Demenzforschung, ethische Konsequenzen und Ansätze zu einer Veränderung

  • U. Drerup
Conference paper

Zusammenfassung

Die Demenzforschung, die bis heute naturwissenschaftlich-biologisch ausgerichtet ist, gewinnt infolge epidemiologischer Veränderungen und unter sozialpolitischen Aspekten erheblich an Bedeutung. Die bisherigen Fortschritte bezüglich Ätiologie und Therapie sind als gering zu veranschlagen; hinsichtlich der Demenz vom Alzheimer-Typ ist nach Wurtmann (1985) das Wesen der Erkrankung bis heute nicht erfaßt. Die heutigen Forschungsstrategien gründen auf einer psychiatrischen Krankheitslehre, die wesentlich von Griesinger, E. Bleuler und K. Schneider geprägt ist, deren tiefere Wurzeln nach von Uexküll aber bis in die Anfänge des letzten Jahrhunderts zurückreichen, als mit der Übertragung des Maschinenmodells auf den menschlichen Organismus sich eine biotechnische Medizin durchsetzte. Die Demenzerkrankungen zählen nach dieser Krankheitslehre zu den organischen Psychosen, d.h. die Krankheitsursache wird auf pathologisch veränderte Strukturen und Funktionen des Gehirns zurückgeführt. Diese Veränderungen stellen das Forschungssubstrat dar. Psychosozialen Faktoren wird höchstens eine das Krankheitsbild färbende Rolle zuerkannt.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1993

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  • U. Drerup

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