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Zeit, Zeiteinteilung und Zeitperspektive

  • John S. Kafka
Part of the Monographien der Breuninger-Stiftung Stuttgart book series (BREUNINGER)

Zusammenfassung

Eine Klinikpatientin, Frau R., setzte mich eines Tages davon in Kenntnis, daß die Erde zwischen dem Krankenhauskomplex und dem Freizeitgebäude zusammenschrumpfte. Als ich einige Tage später auf diese Patientin besonders achtete, fiel mir auf, daß die Patientin erheblich schneller ging als gewöhnlich. Die Sichtbarkeit und Berührbarkeit der Objekte im Raum verleiht der Raumdimension eine Konkretheit, die der Zeitdimension fehlt. Für die meisten Menschen scheint die Zeit auf irgendwie einfachere Weise zu schrumpfen oder sich auszudehnen als der Raum; die Zeit scheint auf einfachere Weise „kürzer” oder „länger” werden zu können und derart beschreibbar zu sein als der Raum, obwohl wir für die Beschreibung von Zeitintervallen räumliche Begriffe verwenden müssen. Eine extreme Ausdehnung der Zeit — beziehungsweise ein enorm gerafftes und in den ausgedehnten Moment passendes Nacherleben der eigenen Lebensgeschichte, das sogenannte „Lebenspanorama” — wird oft von Personen rückblikkend berichtet, die einer akuten Lebensgefahr ausgesetzt waren. Bei meiner Patientin jedoch, für die die Erde zusammenschrumpfte, wie auch bei anderen Patienten, mit denen ich gearbeitet habe, bestand eine solche Vorherrschaft des „räumlichen” über den „zeitlichen” Realitätsanker offensichtlich nicht. Im Laufe meiner Bemühungen darum, besser zu verstehen, wie der menschliche Geist arbeitet und wie verschiedene Realitäten aufgebaut sind, hat die Zeitdimension auch für mich allmählich eine vorherrschende Position angenommen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1991

Authors and Affiliations

  • John S. Kafka
    • 1
  1. 1.USA

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