Neue Konfliktzumutungen: Die Antifamilie-Familien

  • Michael B. Buchholz

Zusammenfassung

Am Beispiel der “Antifamilie-Familien”, die moderne Probleme in besonders zugespitzter Weise artikulieren und erleben, möchte ich einigen modernen sozialpsychologischen Problemen nachgehen. Tyrell (1988) hatte den familialen Wandel als “Deinstitutionalisierung” beschrieben; dies ist allerdings ausdrücklich nur als “Beschreibung” gemeint. Die “Deinstitutionalisierung” der familialen Lebensform hat eine Geschichte, die eng mit der 68er Bewegung verknüpft ist, aber heute kaum noch gekannt wird. Sie zieht sich über die “Kommunen”1 und Wohngemeinschaften bis hin zum Phänomen der Diffusion von einstmals pönalisierten Lebens- und Liebespraktiken in den familiären Alltag “normaler” Familien. Was vor etwa 20 Jahren als revolutionär, als provokant unnatürlich galt, was Vermieter dazu brachte, ihre Wohnungen nicht zu vermieten, ist heute eine selbstverständliche Lebensform — neben anderen; nicht mehr nur Studenten, auch Rentner, Alleinerziehende, Paare mit Kindern leben in Wohngemeinschaften zusammen. Das Extraordinäre und Spektakuläre von einst hat sich weitgehend normalisiert. Die Untersuchung solcher Lebensformen, sofern sie therapeutische Hilfe aufsuchen, könnte in besonders deutlicher Prägnanz die subjektive Verarbeitung der beschriebenen modernen Konfliktlagen hervortreten lassen, und von daher wären gewisse Rückschlüsse auf die Lebensformen, Konfliktzumutungen und subjektiven Belastungen deinstitutionalisierter “normaler” Familien möglich.

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Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1990

Authors and Affiliations

  • Michael B. Buchholz
    • 1
  1. 1.GöttingenDeutschland

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