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Das „Familienmodell“ und der „Familieneinschätzungs-Bogen“

  • Manfred Cierpka
Chapter

Zusammenfassung

Unsere bisherigen Untersuchungen legen die Hypothese nahe, daß Familien mit schizophrenen Mitgliedern nicht mehr Grenzenstörungen aufweisen als Familien mit neurotischen Mitgliedern. Entscheidend für Familien mit schizophrenen Mitgliedern wird, ob die verschiedenen Ebenen (die Dyaden und die Familie als Ganze) ein so großes Potential an Ressourcen (systemtheoretisch formuliert: Kontrollfunktionen an den Schnittstellen) zur Verfügung haben, daß sie mit der Vulnerabilität des Patienten und den damit zusammenhängenden Grenzenstörungen auf mehreren Ebenen zurechtkommen können. Wenn die Grenzenstörungen in diesen Familien nicht kompensiert werden können, muß deshalb die Familie (im statistischen Querschnitt betrachtet) nicht dysfunktionaler als andere vergleichbare Familien sein. Um mit der Vulnerabilität des Patienten und deren Folgen fertig zu werden, braucht die Familie zusätzliche Ressourcen. Es ist deshalb anzunehmen, daß, im Vergleich zu Familien mit neurotischen Mitgliedern, die Familien von Schizophrenen (d. h. also der Rest der Familie ohne den Patienten) weniger dazu beitragen müssen, daß es zum Ausbruch der Erkrankung kommt, weil die Vulnerabilität und die psychopathologische Störung des Patienten bei Schizophrenen fundamentaler ist. Der Beitrag des Schizophrenen zur Dysfunktionalität der Familie ist deshalb als größer anzunehmen als der des Neurotikers.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1990

Authors and Affiliations

  • Manfred Cierpka
    • 1
  1. 1.Abteilung PsychotherapieUniversität UlmUlmDeutschland

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