Bild, Körperbild und Psychoanalyse

  • H. Müller-Braunschweig
Part of the Psychotherapie und Psychosomatik book series (P+P)

Zusammenfassung

Bei einem 30jährigen Patienten, einem Bibliothekar, den ich vor Jahren gegen gewisse eigene Zweifel in Analyse genommen hatte, spürte ich immer deutlicher, daß ich ihn in den Stunden nicht erreichte. Er brachte viel Material, z.T. auch mit stärkerer emotionaler Bewegung, aber ich hatte dabei häufiger das Gefühl des „Unechten“ und die Empfindung, daß zwischen uns eine unsichtbare Wand blieb, die nicht zu durchbrechen war. Der Patient begann dann nach einiger Zeit neben der Analyse an psychotherapeutischen Wochenendgruppen teilzunehmen. Es handelte sich sowohl um körperbezogene Verfahren als auch um katathymes Bilderleben, um „Urschrei“-Seminare nach Casriel, um Primärtherapie nach Janov u.a. Aufgrand der vorhergegangenen Erfahrungen hatte ich nicht das Gefühl, daß es sich hier einfach um ein Widerstandsphänomen handelte. Ich hatte eher den Eindruck, daß er nach etwas Fehlendem suchte, das er in der Analyse nicht bekam und versuchte in der Folge einfach seine Erlebnisse bei diesen Veranstaltungen mit in die Analyse einzubeziehen. Sowohl das Suchen des Patienten als auch einige der genannten Verfahren erschienen mir interessant (und die Eindrücke dieser Behandlung bildeten einen der Anstöße, die mich später zu einer intensiveren Auseinandersetzung mit den körperbezogenen Therapieformen führten). In der folgenden Zeit wurde der Patient etwas zugänglicher, die Atmosphäre in den Stunden besserte sich. Ich hatte den Eindruck, daß ihn einige der genannten Verfahren besser erreichten und auch die Analyse davon profitierte. Ich änderte dann auch selber das Setting und führte die Behandlung im Sitzen als analytisch orientierte Psychotherapie weiter. Damit näherte ich mich einigen Merkmalen der eben genannten Verfahren an: Ich wurde als Analytiker sichtbar, ein optisch wahrnehmbares Gegenüber, ich redete aber auch direkter und bilderreicher, versuchte ihn dabei mit Worten sozusagen zu „berühren“. Die „Wand“ verschwand zwar nicht, wurde aber etwas durchlässiger.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1989

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  • H. Müller-Braunschweig

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