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Zusammenfassung

Die fortschreitende Tendenz, im Strafverfahren die Handlungsmotive eines Täters zu klären und zu verstehen, hat in der Gegenwart zu einer sehr begrüßenswerten Humanisierung des Strafrechts beigetragen und ist teilweise wohl auch deren Folge. Der psychologisch-psychiatrisch Sachverständige, der die Schuldfähigkeit beurteilen soll, ist aber durch diese Entwicklung zunehmend in die Rolle eines Richters gedrängt worden. Viele Juristen und Psychiater sind wie die Allgemeinbevölkerung der Auffassung, daß die Untersuchung durch den Sachverständigen vor allem dazu dienen soll, festzustellen, warum die Tat begangen wurde. Sie meinen, daß Schuldunfähigkeit dann durch die Abwägung der guten und schlechten Gründe wie vom Zeiger einer großen Waage auf einer moralischen Skala angezeigt werde. Wenn der Sachverständige dann darauf hinweist, daß die Geisteskrankheit, die Schuldunfähigkeit bewirkt, moralisch völlig indifferent ist und der Ausschluß der Schuldfähigkeit für gute und schlechte Gründe gleichermaßen gilt, begegnet er oft Verständnislosigkeit. Motive einer Tat sind als individuell wechselnde psychische Inhalte Gegenstand für eine Bewertung der Schuld, nicht der Schuldfähigkeit.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1990

Authors and Affiliations

  • Hermann Witter
    • 1
  1. 1.Homburg-Sanddorf/SaarBundesrepublik Deutschland

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