Epidemiologie und Klinik der HIV-infizierten Frau

  • A. Schäfer
  • B. Schwartländer
  • W. Friedmann
Conference paper

Zusammenfassung

Die epidemiologisch verwendbaren Angaben zur AIDS-Symptomatik und HIV-Infektion von Frauen in der Bundesrepublik zeigen entsprechend der Verteilung der Risikogruppen erhöhte Seroprävalenzen in Ballungsgebieten wie Berlin, München und Frankfurt. Die anfangs gehegten Befürchtungen einer explosiven heterosexuellen Ausbreitung in die weibliche Bevölkerung lassen sich zur Zeit aus den verfügbaren Daten nicht belegen. Seit 1986 ist die Anzahl von HIV-infizierten Schwangeren in Berlin gleichbleibend, und die Zahl der ausgetragenen Schwangerschaften durch erhöhte Abruptiones rückläufig. Deutlich ansteigend sind jedoch in der Gruppe der Patientinnen mit längerer Dauer der HIV-Infektion gynäkologische Beschwerden von rezidivierenden Genitalinfektionen bis hin zum Zervixkarzinom

Im August 1983 wurde erstmals die Diagnose der erworbenen Immunschwäche bei einer Frau in der Bundesrepublik gestellt. Bis zum 30. 6. 88 wurden insgesamt 2210 AIDS-Fallmeldungen im zentralen Register des BGA erfaßt. Davon waren 139 Frauen, was einem Anteil von 6,3% entspricht. Der Anteil von Frauen bei den Fallmeldungen ist seit 1984 fast konstant geblieben. Diese Angaben spiegeln bei einer Dauer von meist über 5 Jahren bis zur Entwicklung einer klinischen Symptomatik natürlich nur den epidemiologischen Stand vor dieser Zeit wieder. Einen Hinweis auf die aktuelle epidemiologische Situation ist aus den beim BGA/DVV gesammelten Daten der seit Okt. 1987 bestehenden Laborberichtspflicht von bestätigten HIV-Tests erhältlich. Unter Berücksichtigung der Retrospektivdaten wurden bis zum 30. 6. 88 2939 Frauen mit HIV-Infektion gemeldet. Dabei war der Anteil der Frauen bei den registrierten Meldungen seit 1985 leicht ansteigend. Von diesen Daten ausgehend ist die Seroprävalenz der HIV-Infektion bei Frauen für die Gesamtbevölkerung der Bundesrepublik nur gering. Sie kann aber wegen der sehr ungleichmäßigen geographischen Verteilung auf wenige Ballungszentren, in denen nur etwa 20% der Gesamtbevölkerung leben, eine epidemiologische Bedeutung gewinnen. So sind die mit Abstand höchsten Prävalenzen für AIDS and HIV-Infektion in den Großstädten Berlin, München and Frankfurt zu finden.

Untersuchungen der DRK-Blutspendedienste aus 2,27 Mio Blutkonserven von 1,33 Mio Spendern von 7/85 bis 6/86 ergaben Seroprävalenzen von 13/100 000 bei Männern and 7/100 000 bei Frauen im Bundesdurchschnitt. Doch ist auch hier die regionale endemische Situation von großer Bedeutung; in 29 000 untersuchten Blutproben in Berlin fanden sich Seroprävalenzen von 344/100 000 für Männer and 183/100 000 für Frauen. Dieser erhöhte Anteil ist sicher auch auf eine vermehrte Teilnahme von sogenannten Risikoträgern zurückzuführen. Von großer Bedeutung zur Einschätzung des Stellenwertes der heterosexuellen Transmission des HIV sind Untersuchungen auf HIV-Antikörper im Rahmen der Schwangerenvorsorge. Denn die Schwangeren bilden als Vertreter der heterosexuell aktiven Frau eine Indikatorpopulation für ein Eindringen des HIV in die Durchschnittpopulation. Bei den vorliegenden in diesem Zusammenhang durchgeführten Untersuchungen fanden sich bei 22 128 untersuchten Schwangeren 21 positive.

Summary

The data available for the epidemiology of AIDS and HIV infection among women in the Federal Republic of Germany describe the distribution of risk groups to urban areas. The highest rates of seroprevalence are found in cities like Berlin, Munich and Frankfurt. These data do not support the initial fear of an explosive heterosexual spread in the female population. Since 1986 the incidence of pregnancies of HIV-infected women in Berlin has remained constant. The number of pregnancies carried to full term decreased because of an increased number of terminations. Another growing problem are gynecological complaints, depending on the duration of the HIV infection, ranging from repeated infectious diseases of the genitals to cervical cancer.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1989

Authors and Affiliations

  • A. Schäfer
    • 1
  • B. Schwartländer
    • 2
  • W. Friedmann
    • 1
  1. 1.UniversitätsfrauenklinikCharlottenburgDeutschland
  2. 2.AIDS-ZentrumBundes GesundheitsamtDeutschland

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