Advertisement

Zusammenfassung

Wie M. Tietzel in einzelnen dargetan hat, gibt es Märkte, auf denen die Preise die für die vollständige Koordination der Individualpläne erforderlichen Informationen nicht sämtlich übertragen. Darunter finden sich Märkte für teuere, komplexe und langlebige Erfahrungsgüter (Akerlof-Güter)1, auf denen das zur Koordinierung und damit zur Erfüllung der Individualpläne erforderliche Qualitätswissen von der Nachfrageseite nur zu für sie »untragbar« hohen (Transaktions-)Kosten erlangt werden könnte. Bei derartigen Informationskostenasymmetrien ist aus neoklassischer Sicht die Diagnose Marktversagen unausweichlich. Die Evolutions- und Koordinationstheorie sieht hier ein Ungleichgewichtsphänomen, das zweckmäßiger mit »Gleichgewichtsferne«2 bezeichnet ist, weil es als Ausgangspunkt für Selbstorganisationsprozesse im Marktsystem in Frage kommt, die Marktversagen verhindern. M.a.W. in Gleichgewichtsferne ist das für die Koordination und Realisation der individuellen Wirtschaftspläne relevante Wissen wenigstens für »einige«, z.B. für die Nachfrager auf einem Markt, nur zu für sie untragbar hohen Kosten erlangbar. Demgegenüber kann in Gleichgewichtsnähe das zur Koordination der Individualpläne erforderliche Wissen, von allen, die es auf den betreffenden Märkten angeht, zu sehr geringen Kosten erlangt werden. (In Klammern möchte ich anfügen: Die Vorstellung der Gleichgewichtsferne dient als methodisches Hilfsmittel, das die Analyse derjenigen Felder des Marktsystems erleichtern soll, die die neoklassische Allokationstheorie als Theorie der Gleichgewichtsnähe bei gegebenem Normen-und Institutionenbestand unbeackert lassen muß. Ähnliches gilt für das gedankliche Konstrukt des »unternehmerischen Elements« im menschlichen Handeln.3)

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Akerlof, G. A.: The Market for »Lemons«, Quarterly Journal of Economics, Vol. 84 (1970) S. 488 — 500.Google Scholar
  2. Böhm, F.: Freiheit und Ordnung in der Marktwirtschaft. Baden-Baden 1980.Google Scholar
  3. Hayek, F.A.v.: Dr. Bernard Mandeville; Die Ergebnisse menschlichen Handelns, aber nicht menschlichen Entwurfs; Rechtsordnung und Handelnsordnung, alle in: Hayek, F.A.v.: Freiburger Studien, Tübingen 1969.Google Scholar
  4. Hayek, F.A.v.: Wirtschaftstheorie und Wissen, in: Hayek, F.A.v.: Individualismus und wirtschaftliche Ordnung. Erlenbach-Zürich 1952.Google Scholar
  5. Kirzner, J. M: Wettbewerb und Unternehmertum, Tübingen 1978.Google Scholar
  6. Kunz, H.: Marktsystem und Information, Tübingen 1985.Google Scholar
  7. Ott, C.: Allokationseffizienz, Rechtsdogmatik und Rechtsprechung — die immanente ökonomische Rationalität des Zivilrechts, in diesem Band.Google Scholar
  8. Popitz, H.: Die normative Konstruktion von Gesellschaft, Tübingen 1980.Google Scholar
  9. Popper, K. R.: Die Evolution und der Baum der Erkenntnis, in: Popper, K. R.: Objektive Erkenntnis, Hamburg 1974Google Scholar
  10. Schäfer, H. B.: Allokationseffizienz als Grundprinzip des Zivilrechts, in diesem Band.Google Scholar
  11. Tietzel, M.: Probleme der asymmetrischen Informationsverteilung beim Güter- und Leistungstausch, in diesem Band.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1989

Authors and Affiliations

  • Harald Kunz

There are no affiliations available

Personalised recommendations