Das Grundstörungsmodell am Beispiel der Psychoanalyse

  • Manfred Spitzer

Zusammenfassung

Bei dem Beitrag der Psychoanalyse zum Verständnis des Wahns handelt es sich keineswegs um eine in sich geschlossene, homogene Theorie, sondern vielmehr um verschiedene Gedanken, die den Status von Hypothesen, Metaphern oder Analogien haben, sich auf verschiedene Aspekte des Wahns beziehen und teilweise zueinander nur in lockerem Zusammenhang stehen.1 Da Freuds Äußerungen zum Wahnproblem über dessen gesamte Sehaffensperiode verteilt sind, ziehen die unterschiedlichen Entwicklungsstufen der psychoanalytischen “Lehre” (vor allem der “Modelle” des “psychischen Apparates”) zudem notwendigerweise unterschiedliche Wahnauffassungen nach sich. Gemeinsam ist all diesen Gedanken, daß sie die Genese des Wahns und nicht sein “Wesen” zum Inhalt haben, obwohl gerade dieser Umstand gelegentlich übersehen wird.

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Notes

  1. 1.
    Versuche einer Integration der unterschiedlichen Erklärungsansätze (vgl. z.B. Waelder 1951) können nicht über diesen Sachverhalt hinwegtäuschen.Google Scholar
  2. 2.
    Dies räumt Freud (Werke VII, S. 71) selbst ein, wenn er anmerkt: “Der Fall N.H. müßte … als hysterischer Wahn, nicht als paranoischer Wahn bezeichnet werden.” Wenn Freud trotz dieser selbst gestellten psychiatrischen Diagnose davon spricht, daß “der Psychiater … den Wahn … vielleicht der großen Gruppe Paranoia zurechnen [würde]” (Freud Werke VII, S. 71), hat er sicher unrecht. Wie Freud ebenfalls selbst zugibt, werden “die Kennzeichen der Paranoia … hier vermißt” (Freud Werke VII, S. 71), d.h. nach Freuds eigenem klassisch-psychiatrischem (!) Urteil handelt es sich gerade nicht um einen Fall aus der “großen Gruppe Paranoia”. Freud behauptet mithin lediglich, daß ein unfähiger “klassischer” Psychiater möglicherweise eine falsche Diagnose stellen würde.Google Scholar
  3. 3.
    Daß es sich bei den in diesem Zusammenhang zu findenden Bemerkungen Freuds zur klassischen Psychiatrie um nichts weiter als um Polemik handelt, wird immer wieder deutlich: “Der gestrenge Psychiater würde ferner unseren Helden… sofort zum dégénéré stempeln und nach der Heredität forschen, die ihn unerbittlich in solches Schicksal getrieben hat” (Werke VII, S. 71, Hervorhebung im Original). Freud zeichnet hier ein sehr finsteres Bild (vom “gestrengen” Psychiater), obgleich anzunehmen ist, daß trotz der damals sicherlich weiten Verbreitung der Degenerationslehre in der Psychiatrie (vgl. Hermle 1986) kein Psychiater in Anbetracht des fiktiven Falles eine derartige Diagnose gestellt oder gar nach familiären Belastungsmomenten gefahndet hätte. Es muß zudem fast als eine Ironie des Schicksals bezeichnet werden, daß die neuere Forschung zu Freuds berühmtesten Paranoia-Fall, Schreber, gerade mit Berufung auf erhebliche familiäre Belastungsmomente Freuds Interpretation des Falles zumindest teilweise in Frage stellt (siehe unten).Google Scholar
  4. 4.
    So beispielsweise in der bereits erwähnten Interpretation von Jensens Gradiva, in den Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (vgl. Werke XI, S. 80) sowie in der Neuen Folge der Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse (vgl. Werke XV, S. 15f).Google Scholar
  5. 5.
    So auch in diesem Fall: An die Schilderung der beiden Fälle knüpfen sich einige Modifikationen der früheren Paranoia-Theorie an.Google Scholar
  6. 6.
    Auch in der Freud-Biographie von E. Jones findet sich entsprechendes: “Er [Freud] war aufgrund früherer Beobachtungen zu dem Schluß gelangt, daß die Paranoia auf verdrängter Homosexualität beruhe, hatte aber nicht genügend Erfahrung, um dies als allgemeine Regel zu proklamieren” (Jones 1978, S. 298, Hervorhebung von mir, M.S.).Google Scholar
  7. 7.
    “Dynamische” Betrachtungsweisen des Wahns wurden häufig auch für einen Ausweg aus der “Sackgasse” (Schmidt 1940, S. 125) gehalten, in die die oben (vgl. Abschnitt 3) dargestellte “phänomenologische” Forschungsrichtung geführt habe.Google Scholar
  8. 8.
    Es handelt sich um eine Beilage zu einem Brief an Fliess vom 24.1.1895.Google Scholar
  9. 9.
    “Wenn wir sein Beispiel [das Beispiel des Eifersüchtigen] für maßgebend erachten, dürfen wir schließen, daß auch die Feindseligkeit, die der Verfolgte bei anderen findet, der Widerschein der eigenen feindseligen Gefühle gegen diese anderen ist” (Freud, Werke Xiii, S. 200).Google Scholar
  10. 10.
    Freud macht dies unmißverständlich z.B. im folgenden deutlich: “Wenn wir die Ursachen gewisser Sinnesempfindungen nicht wie die anderer in uns selbst suchen, sondern sie nach außen verlegen, so verdient auch dieser normale Vorgang den Namen einer Projektion” (Freud Werke VIII, S. 303).Google Scholar
  11. 11.
    Die Projektionstheorie der Wahrnehmung blieb nicht unwidersprochen (vgl. Smythies 1954). Für eine systematische Kritik siehe Spitzer 1988a.Google Scholar
  12. 12.
    Freud spricht davon, daß die “sogenannte Erinnerungsschwäche der Paranoiker eine tendenziöse, d.h. auf Verdrängung beruhende und ihren Absichten dienende ist” (Freud, Werke I, S. 403, Hervorhebungen im Original).Google Scholar
  13. 13.
    Bekanntermaßen wurde für Freud damit Religion zu einem “Massenwahn”, der der Abwehr von Unsicherheit und Leid durch die feste Überzeugung von unbewiesenen realen Objekten dient: “Eine besondere Bedeutung beansprucht der Fall, daß eine größere Anzahl von Menschen gemeinsam den Versuch unternimmt, sich Glücksversicherung und Leidensschutz durch wahnhafte Umbildung der Wirklichkeit zu schaffen. Als solchen Massenwahn müssen wir auch die Religionen der Menschheit kennzeichnen” (Freud, Werke Xiv, S. 440).Google Scholar
  14. 14.
    Freud zieht zudem therapeutische Konsequenzen aus dieser Ansicht: “Man würde die vergebliche Bemühung aufgeben, den Kranken von dem Irrsinn seines Wahns, von seinem Widerspruch zur Realität, zu überzeugen und vielmehr in der Anerkennung des Wahrheitskerns einen gemeinsamen Boden finden, auf dem sich die therapeutische Arbeit entwickeln kann. Diese Arbeit bestünde darin, das Stück historischer Wahrheit von seinen Entstellungen und Anlehnungen an die reale Gegenwart zu befreien und es zurecht zu rücken an die Stelle der Vergangenheit, der es zugehört” (Freud, Werke Xvi, S. 55).Google Scholar
  15. 15.
    Auch wenn beispielsweise Fenichel (1931/1980) zum Über-Ich schreibt: “Im Wahn wird es regressiv wieder in die Außenwelt versetzt”, so ist unklar, ob “regressiv” hier adverbiale Bestimmung zu “versetzt” oder attributive Bestimmung zu “es” (d.h. zum Über-Ich) ist. Ein derart unscharfer Gebrauch von “Regression”, “regressiv” oder “regredieren” findet sich in der psychoanalytischen Literatur leider häufig.Google Scholar
  16. 16.
    Wahn und Traum wurden von Freud vielfach parallel gesehen.Google Scholar
  17. 17.
    für eine Falldarstellung und-diskussion vgl. Abschnitte 5.6.1 und 5.6.2.Google Scholar
  18. 18.
    “Ich kann aber das Zeugnis eines Freundes und Fachmannes dafür vorbringen, daß ich die Theorie der Paranoia entwickelt habe, ehe mir der Inhalt des Schreberschen Buches bekannt war” schreibt Freud (Werke VIII, S. 315) gegen Ende seiner Arbeit über Schreber.Google Scholar
  19. 19.
    Dies veranlaßt Schweighofer zur folgenden Feststellung: “Die ungewöhnliche Häufung von Fällen psychiatrischer Störungen, die Sigmund Freud nicht bekannt waren, legen den Schluß nahe, daß bei der Krankheit von Paul Schreber hereditäre Faktoren beteiligt gewesen sind. Der Fall Schreber scheint daher kaum geeignet zu sein, Freuds Lehre von der Entstehung der Paranoia durch einen Schub verdrängter Homosexualität zu bekräftigen” (Schweighofer 1982), S. 70.Google Scholar
  20. 20.
    Der Ausschluß des Zufalls im Erleben des Kranken spielte bei der Charakterisierung von Wahn immer wieder eine Rolle (siehe Abschnitt 4.4.2).Google Scholar
  21. 21.
    Keineswegs trifft somit die nicht selten zu findende Behauptung, Freud habe seine Theorie der Paranoia empirisch (d.h. induktiv) anhand des Falles Schreber gefunden, zu: Erstens ist seine gesamte Argumentation deduktiv, zweitens legt er großen Wert darauf, die Theorie schon vor seiner Bekanntschaft mit dem Fall aufgestellt zu haben und drittens kamen Anregungen von seinem damaligen Freund Wilhelm Fliess.Google Scholar
  22. 22.
    “Ich werde also zufrieden sein müssen, wenn es mir gelingt, gerade den Kern der Wahnbildung mit einiger Sicherheit auf seine Herkunft aus bekannten menschlichen Motiven zurückzuführen” (Freud, Werke VIII, S. 272).Google Scholar
  23. 23.
    Schwierigkeiten bereitet in jedem Falle die Behauptung des “von Anfang an” — hatte doch Schreber den Arzt erst durch die Krankheit kennengelert, deren Symptome jetzt Ausdruck einer gestörten Beziehung zum behandelnden Arzt sein sollen.Google Scholar
  24. 24.
    An der Formulierung Freuds wird unschwer dessen Auffassung von der damaligen Psychiatrie deutlich: “Ich mache vor einer Flut von Anwürfen und Einwendungen einen Augenblick halt. Wer die heutige Psychiatrie kennt, darf sich auf Arges gefaßt machen” (Freud, Werke VIII, S. 278).Google Scholar
  25. 25.
    “Es gehört gewiß zum Wesen Gottes, daß er Wunder tut, aber auch ein Arzt tut Wunder …” (Freud Werke VIII, S. 288). Kurz darauf spricht Freud (S. 288) von der “… Brauchbarkeit des väterlichen Berufs zur Aufklärung der besonderen Eigenschaften des Schreberschen Gottes …”.Google Scholar
  26. 26.
    Sehr hilfreich war offenbar folgender Umstand: Nach seiner zweiten Entlassung verbrachte Schreber im Jahre 1903 eine kurze Zeit bei seiner Mutter, die ein damals 13jähriges Mädchen aus der Verwandtschaft zu sich in Pflege genommen hatte. Von dieser Adoptivtochter konnten durch Befragung noch Ende der sechziger Jahre wertvolle Hinweise zum Fall Schreber erhalten werden, so beispielsweise der Hinweis auf sechs Tot-oder Fehlgeburten, die Schrebers Frau im Laufe ihrer Ehe gehabt hat (vgl. Baumayer 1970).Google Scholar
  27. 27.
    “An alledem ist nichts für die Krankheitsform der Paranoia Charakteristisches … Die Eigenart der Paranoia … müssen wir in etwas anderes verlegen, in die besondere Erscheinungsform der Symptome, und für diese wird unsere Erfahrung nicht die Komplexe, sondern den Mechanismus der Symptombildung oder den der Verdrängung verantwortlich machen” (Freud, Werke VIII, S. 295).Google Scholar
  28. 28.
    Freud bemerkt hierzu, daß diese Beobachtung für ihn und seine Kollegen unerwartet war.Google Scholar
  29. 29.
    Warum hier der Vorgang der Projektion wirksam wird, bleibt unklar. Freud (Werke VIII, S. 300) bemerkt lediglich: “… der nämliche Zwang zur Projektion nötigt dem Satz die Verwandlung auf”; warum hier ein Zwang zur Projektion besteht, wird nicht erläutert.Google Scholar
  30. 30.
    Ebenso unvermittelt, wie beim Liebeswahn der Projektionsvorgang als eine Art deus ex machina in Erscheinung treten mußte, um das Endresultat herbeizuführen, muß die Projektion beim Eifersuchtswahn unterbleiben: “Die Projektionsentstellung muß hier entfallen, weil mit dem Wechsel des liebenden Subjekts der Vorgang ohnedies aus dem Ich herausgeworfen ist” (Freud, Werke VIII, S. 301).Google Scholar
  31. 31.
    “Man sollte nun glauben, ein aus drei Gliedern bestehender Satz, wie’ ich liebe ihn’ ließe nur drei Arten des Widerspruches zu. Der Eifersuchtswahn widerspricht dem Subjekt, der Verfolgungswahn dem Verbum, die Erotomanie dem Objekt. Allein, es ist wirklich noch eine vierte Art des Widerspruches möglich, die Gesamtablehnung des ganzen Satzes” (Freud, Werke VIII, S. 301).Google Scholar
  32. 32.
    Den meisten Menschen gegenüber wird man eine indifferente Haltung einnehmen und sie weder lieben noch hassen.Google Scholar
  33. 33.
    Für eine eingehendere Darstellung und Kritik des Konzepts der psychischen Energie wie auch des Projektionsgedankens bei Freud vgl. Spitzer 1988a.Google Scholar
  34. 34.
    Vgl. Freud Werke VIII, S. 295.Google Scholar
  35. 35.
    “’Those who begin with absolute truth cannot improve upon it.’ Unfortunately, on the basis of a few non-controlled observations, Freud’s paranoia hypothesis was accepted as absolute truth …” bemerken Klaf und Davis (1960, S. 1070), die selbst empirische Hinweise für einen Zusammenhang zwischen Wahn und Homosexualität gefunden hatten, zur psychoanalytischen Tradition.Google Scholar
  36. 36.
    Es ist genau diese Art des Umgangs mit Theorie und Empirie, der zu kritisieren ist: Sofern man interpretierte Fakten zur Überprüfung einer Theorie heranzieht, die bereits als Interpretament der Fakten diente, befindet man sich in einem argumentativen Zirkel.Google Scholar
  37. 37.
    Auch die Ergebnisse von Untersuchungen zum Geschlecht des Verfolgers männlicher oder weiblicher Patienten mit Verfolgungswahn sind nicht eindeutig (Klaf 1961, Greenspan 1963, Modlin 1963).Google Scholar
  38. 38.
    Sofern man einmal davon ausgehen will, daß sich Homosexualität tatsächlich endokrinologisch feststellen läßt, sind die Befunde von Rinieris et al. (ohne Hinzuziehung der Theorie Freuds) sehr einfach zu interpretieren: Im Wahn wird das verarbeitet und spielt das eine Rolle, was für den Betreffenden auch im sonstigen Leben für Bedeutung ist. Ist er homosexuell, so wird sich dies auch in seinem Wahn in irgendeiner Form niederschlagen, ist er es nicht, so bleiben entsprechende Wahninhalte aus.Google Scholar
  39. 39.
    Interpretatorische Schwierigkeiten bereitet beispielsweise die Tatsache, daß bereits Ende der vierziger Jahre durchgeführte Rorschach-Untersuchungen zur Frage latenter homosexueller Neigungen bei psychiatrischen Patienten diese in bis zu 60% der Fälle “nachgewiesen” hatten (Wheeler 1949).Google Scholar
  40. 40.
    Ein Replikationsversuch von Meketon et al. (1962) an etwa 50 paranoid-schizophrenen Patienten, 50 Alkoholikern und 50 Neurotikern ergab insgesamt weniger stark ausgeprägte Hinweise für latente oder manifeste Homosexualität. Es fanden sich allerdings durchaus Hinweise für latente Homosexualität bei Paranoikern, entsprechend der Hypothese von Aronson. Die Autoren interpretieren ihre Ergebnisse jedoch aus zwei Gründen mit Vorsicht: Zum ersten beinhalten die Rorschach-Kriterien für latente Homosexualität zumindest zu einem Teil paranoide Symptome, so daß sich ein Zirkelschluß ergibt: Die Kriterien für latente Homosexualität im Rorschach-Test wurden zunächst nicht zum Zweck einer Überprüfung der Hypothese von Freud formuliert. Es lag daher nahe, die Freudsche Hypothese umgekehrt zur Formulierung von Kriterien für latente Homosexualität heranzuziehen, d.h. bestimmte “paranoide” Interpretationen der Rorschach-Bilder als Hinweise für latente Homosexualität zu werten. Zum zweiten heben die Autoren hervor, daß nicht nur bei Wahnkranken, sondern bei einer Reihe von psychischen Störungen höhere Homosexualitäts-Indices gefunden wurden, so daß diese keineswegs als spezifisch für paranoide Störungen gelten können.Google Scholar
  41. 41.
    Die Annahme, daß beim Vorliegen homosexueller Neigungen das Bild eines Mannes länger betrachtet wird, konnte Zamansky zuvor im Rahmen einer Validierungsstudie an offen homosexuellen Männern bestätigen.Google Scholar
  42. 42.
    Daher können sich paranoide Patienten gegenüber Frauen durchaus relativ “normal” verhalten, wie Zamansky folgert: “Here the results indicated that when the purpose of the test was disguised, the paranoid’s choice of males was significantly greater than of the non-paranoid, but when the matter of his selection was made more explicit and, presumably, more conscious, his choices of males approximated those of the non-paranoid in the same situation. From these results it appears that when homosexual impulses threaten to approach consciousness, the Ego fulfils its protective function by bringing about a reorganization of cognitive forces so that, at least on a superficial level, the paranoid individual functions vis-a-vis of objects of opposite sex in a manner approximating that of the non-paranoid person” (Zamansky 1958, S. 420).Google Scholar
  43. 43.
    Mittels einer anderen Methodik erhielten Koegler und Kline (1965) ein anderes Ergebnis, was die Angst homosexueller Paranoiker vor heterosexuellen Kontakten anbelangt. Die Autoren maßen die physiologischen Reaktionen von drei männlichen paranoid Schizophrenen, drei homosexuellen Männern und 30 männlichen Normalpersonen während der Darbietung von Filmen homosexuellen, heterosexuellen oder neutralen Inhaltes. Die Schizophrenen und die männlichen Homosexuellen zeigten dabei verglichen mit den männlichen Normalpersonen stärkere physiologische Reaktionen bei Betrachtung der heterosexuellen Inhalte, wohingegen kein Unterschied bei Betrachtung der homosexuellen Inhalte nachzuweisen war. Die Autoren werten dies in dem Sinne, daß sowohl bei paranoid Schizophrenen als auch bei Homosexuellen eine Furcht vor heterosexuellen Beziehungen besteht und daß diese Furcht möglicherweise (sekundär) zu homosexuellen Neigungen bzw. zur Aufnahme homosexueller Beziehungen führe. Diese Interpretation steht mithin im Einklang mit Oveseys (1955) These von der Pseudohomosexualität bei Wahnkranken.Google Scholar
  44. 44.
    Zamansky hält es aufgrund seiner Untersuchungen für denkbar, daß die unterschiedlichen Ergebnisse empirischer Untersuchungen zum Zusammenhang zwischen Homosexualität und Wahn durch Unterschiede in der Art der Erhebung der Homosexualität zu erklären sind in dem Sinne, daß einmal eher unbewußte Tendenzen und ein andermal eher bewußte Abwehr erfaßt wurde.Google Scholar
  45. 45.
    Speziell auf einen Aspekt sei hier verwiesen: Der Fall Schreber kann dem heutigen Kliniker durchaus als grandiose Ausformulierung dessen, was ihm täglich begegnet, erscheinen. So betrachtet ist der Fall keineswegs so besonders, wie er häufig dargestellt wird, und es braucht keine eigene “Theorie”, um ihn zu “verstehen”. Besonders Freuds Rekonstruktion des “Weltuntergangserlebnisses” bei Schreber im Sinne einer “Schlacht” bestimmter intrapsychischer Instanzen muß in Frage gestellt werden vor dem Hintergrund beispielsweise der Forschungen zur beginnenden Schizophrenie von Conrad (1971), die das “Weltuntergangserlebnis” als allgemeinen der Krankheit zugehörigen Sachverhalt und keineswegs als idiographisch zu verstehenden oder zu interpretierenden Sachverhalt deutet, wiewohl idiographische Momente hier immer zu finden sind.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1989

Authors and Affiliations

  • Manfred Spitzer
    • 1
  1. 1.Dept. of PsychologyHarvard UniversityCambridgeUSA

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