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Verhaltenstherapie ohne Phantasie — Zum Gebrauch pornographischer Vorlagen in der Psychophysiologie

  • Hertha Appelt
  • Rainer Richter

Zusammenfassung

Nichts, auch nicht die verruchteste Darstellung einer sexuellen Handlung, kann, für sich genommen, pornographisch sein. Als Vorlage mag sie obszön sein, das Scham-und Sittlichkeitsempfinden des Betrachters verletzen; pornographisch, und damit sexuell stimulierend, wird und wirkt diese Vorlage jedoch erst dadurch, daß sie sexuell erregende Phantasien im Betrachter weckt. Nur zu diesem Zweck wurde sie hergestellt, feilgeboten und erworben. Notwendig für die stimulierte Sexualität ist sie nicht, bekanntlich können sexuelle Phantasien auch in Abwesenheit jeglicher Utensilien aktualisiert werden, aber diese Vorlagen sind sehr hilfreich und bahnen den sexuell stimulierenden Phantasien den Weg ins Bewußtsein. Um dieses zu leisten, um m.a.W. ein guter Porno zu sein, müssen sie auf die Phantasien im optimalen Fall individuell zugeschnitten sein, zumindest aber dürfen sie deren Aktualisierung nicht etwa durch Ekel oder Scham behindern. Ein auf zartseidene Spitzendessous gepolter Fetischist wird kaum in der Lage sein, sich seinen erregenden Phantasien dann zu überlassen, wenn er sich widerwillig Ablichtungen von sexuellen Handlungen zwischen Knecht und Hausschwein nebst dem landwirtschaftlichen Hintergrund ausgesetzt sieht. Der allenthalben phantasierte Stallgeruch wirkt auf ihn nicht erregend. Kurzum, die sittenstrenge Forderung nach einem Verbot bestimmter, als pornographisch „erkannter“ Darstellungen ist nicht nur pharisäisch, sondern um so verräterischer, je lauter sie erhoben wird. (Zur Begriffsbestimmung von Pornographie s. Lautmann 1987.)

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1988

Authors and Affiliations

  • Hertha Appelt
  • Rainer Richter

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