Advertisement

Meine korrektive Erfahrung der Langzeitpatienten

  • Klaus Dörner

Zusammenfassung

Korrektive Erfahrung — das ist das Zauberwort, das ich lebenslang mit meinem Lehrer Jan Gross verbinde, eine Einstellung, die ich von ihm gelernt habe. Er hat den Begriff oft mündlich und schriftlich benutzt und beschrieben. Was er genau meint, weiß ich immer noch nicht. Vielleicht ist das auch nicht notwendig. Es kommt wahrscheinlich mehr darauf an, wie man sich einen solchen Begriff aneignet, für die eigene Person passend macht. Ich jedenfalls denke bei „korrektiver Erfahrung“ immer daran, wie Jan Gross etwas gesagt oder getan hat. Mit Hilfe des anschaulichen Denkens hat korrektive Erfahrung für mich in Situationen Platz, die unsicher, unklar, fremdartig, vielleicht auch bedrohlich und gefährlich sind, also Situationen, in denen man überhaupt nicht weiß, was man sagen oder tun soll. Mein anderer Lehrer, Hans Bürger-Prinz, hat in solchen Situationen meist irgendein randständiges Phänomen der Situation zum Zentrum des Gesprächs gemacht, also sich mit einem ihm unbe- kannten Patienten etwa über seine Heimat, seinen Beruf, seine Kleidung unterhalten. Jan Gross hat mich bei ähnlichen Gelegenheiten anders fasziniert. In meiner Wahrnehmung hat er irgend etwas gesagt, wie man etwa eine Sonde in den Weltraum schießt, mitunter aber auch gerade etwas, womit er den anderen provozierte oder besser noch, womit er sich selbst angreifbar machte oder gar ins Unrecht setzte. Er machte also eine Vorgabe, die es dem anderen verhältnismäßig leicht machte, seinerseits in das Gespräch einzusteigen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1988

Authors and Affiliations

  • Klaus Dörner

There are no affiliations available

Personalised recommendations