Gesundheitsberatung in der ärztlichen Praxis

  • H.-D. Basler
Part of the Neue Allgemeinmedizin book series (NEUE ALLGEMEIN.)

Zusammenfassung

Aufgrund der Zunahme chronischer Erkrankungen hat sich das Aufgabenfeld des Arztes verändert. Bei einem immer größeren Teil der Patienten ist eine kurative Behandlung mit dem Ziel der Wiederherstellung der Gesundheit nicht möglich. Konsequenterweise verlagert sich ärztliches Handeln zum einen stärker in den rehabilitativen, zum anderen in den präventiven Bereich. So muß sich ärztliche Hilfe bei chronisch Kranken vielfach auf eine symptomatische Behandlung mit dem Ziel der Linderung des Leidens und der Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung beziehen. Hierbei muß der Mitarbeit des Patienten in der Therapie verstärkte Aufmerksamkeit gewidmet werden, da dem Fortschreiten der Erkrankung im Regelfall nur durch eine Aktivierung des Patienten Einhalt geboten werden kann, wobei Aktivierung häufig eine Veränderung der Lebensweise bedeutet. Deutlich wird dieser Sachverhalt bei den das Krankheitsspektrum bestimmenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Herzinfarkt und Apoplex stellen irreversible Gewebeschädigungen dar, die eine Anpassung der Lebensweise erfordern. Das Selbstbild der Person, ihre sozialen Beziehungen und ihre beruflichen Perspektiven werden durch die Krankheitserfahrung geprägt. Psychische Krisen können die Folge sein, so daß eine beratende Unterstützung des Patienten nötig wird. Auf der anderen Seite ergibt sich ein Beratungsbedarf durch die Erkenntnisse der Risikofaktorenforschung. So ist bekannt, daß Risikofaktoren auf körperlicher Ebene, wie z. B. essentielle Hypertonie, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und Hyperurikämie, sich in ihrer das Gefäßsystem schädigenden Wirkung potenzieren, wenn bei dem Patienten weitere Risiken auf Verhaltensebene vorliegen, wie z. B. durch Fehlernährung bedingtes Übergewicht, Zigarettenrauchen oder mangelnde Kompetenz zur Streßbewältigung und zu geringe körperliche Aktivität. Personen mit manifesten somatischen Risiken sollten hiernach vorrangig ihr Gesundheitsverhalten überprüfen und ggf. verändern, wozu ebenfalls eine beratende Unterstützung erforderlich ist.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1989

Authors and Affiliations

  • H.-D. Basler

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