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Psychosomatik im Allgemeinkrankenhaus — Aufgaben und Perspektiven

  • W. Pontzen

Zusammenfassung

Die Kritik, der das Allgemeinkrankenhaus heute ausgesetzt ist, richtet sich nicht so sehr gegen die moderne Medizin als solche, sondern gegen die Atmosphäre, in der die medizinische Betreuung angeboten wird (Wellen 1986). Im allgemeinen läuft sie darauf hinaus, daß der Patient als Person verkannt werde und als Folge der medizinischtechnischen Entwicklung die Aufmerksamkeit der Krankheit und nicht dem kranken Menschen gelte. Seit Mitte des letzten Jahrhunderts hat sich daran nichts wesentlich geändert: Die vorherrschende Idee der wissenschaftlichen Medizin war es und ist es, den Sitz der Krankheiten in den Organen zu suchen. Dazu beigetragen und dies verstärkt haben die enormen naturwissenschaftlichen Erfolge der Medizin, die eine wissenschaftsimmanente Tendenz besitzen, das tradierte Arztbild zum Verschwinden zu bringen. Der Hausarzt, der noch den kranken Menschen sah, weicht dem auf einem begrenzten Gebiet fachkompetenten Spezialisten, dem Facharzt, der Krankheiten behandelt und die Zusammenarbeit mit anderen Fachärzten sucht, die basiert auf einer weitgehenden Arbeitsteilung, deren Grundhaltung technischer Natur ist. Die Arbeitszeit des Arztes ist auch so ausgerichtet. Abzulesen ist dies an den Arbeitsplatzbeschreibungen, bei denen für emotionale psychosoziale Betreuung keine Zeit einkalkuliert ist. Deshalb sind die konventionellen Abteilungen eines Allgemeinkrankenhauses für die Bewältigung psychosozialer Probleme und der damit verbunden somatischen Störung in der Regel nicht geeignet (Wellen 1986). Darunter leiden nicht selten auch die in diesen Abteilungen Tätigen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1988

Authors and Affiliations

  • W. Pontzen

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