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Medizin pp 33-41 | Cite as

Die ethische Grenze medizinischer Machbarkeit in der Berufspraxis des Arztes

Zusammenfassung

Unter dem Titel „Grenzen medizinischer Machbarkeit“ wird gegenwärtig zumeist entweder die Problematik erörtert, die sich an der äußersten, vordersten Spitze des medizinisch-technischen Fortschritts ergibt — also die Probleme medizinischen Machens und Verfügens, die durch die Einführung neuester Technologien gestellt sind, oder es wird von den Fragen und Problemen gehandelt, die an den äußeren Grenzen des Lebens — bei Geburt und Tod — auftreten. Beide Male wird ungewollt der irreführende Anschein erweckt, die Dimension des Ethischen komme nur an den Rändern ärztlicher Tätigkeit vor — so als sei die alltägliche, routinisierte Praxis des Arztes nicht Thema einer ethisch gebildeten, christlichen Berufsauffassung. Um diesem abwegigen Mißverständnis vorzubeugen, als stelle sich das Ethische nur am Rande, an den äußersten Grenzen und also nur bei ganz besonderen, außergewöhnlichen medizinischen Verrichtungen — um diesem Mißverständnis zu wehren, möchte ich hier von der Grenze medizinischen Tuns und Machens sprechen, die in jeder ärztlichen Tätigkeit gegenwärtig ist. Von der ethischen Grenze allen ärztlichen Eingreifens und Verfügens über andere soll die Rede sein. Meine Hoffnung dabei ist, ich könnte ein wenig beitragen, daß dem Arzt und uns Patienten klarer wird, was der Sinn ärztlichen Tuns selbst und was der Sinnzusammenhang ist, in welchem die ärztliche Tätigkeit steht. Denn anderes -oder gar „mehr“ — als zur Erhellung der Aufgabe beitragen, die mit dem Beruf des Arztes gegeben ist, kann ich nicht tun; die Verantwortung für sein Tun kann ich ja nicht dem Arzt ermäßigen wollen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1989

Authors and Affiliations

  • T. Koch

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