Aktualisierung eines Tochter-Vater-Konfliktes in der Patienten-Arzt-Beziehung und ihre Widerspiegelung in einer Balint-Gruppe. Ein Kommentar

  • Wolfgang Wesiack
Part of the Die Balint-Gruppe in Klinik und Praxis book series (BALINT-GRUPPE, volume 1)

Zusammenfassung

An dem Transkript, das auf Seite 13 plötzlich abbricht, obwohl die Gruppensitzung sicherlich noch weitergegangen ist, beeindruckt mich besonders, daß die Vater-Tochter-Beziehung verbal völlig ausgeklammert bleibt, obwohl sie sehr eindrucksvoll zwischen Arzt und Patientin reproduziert und agiert wird. Arzt und Gruppe „durchschauen“ sofort, daß das Symptom (die unerträglichen Kreuzschmerzen beim Tragen ihrer Nichte) ihren Konflikt bezüglich Kinderkriegen symbolisiert. Sie erkennen aber nicht, daß das vermutlich etwas mit der Vater-Tocher-Beziehung zu tun hat. Hier liegt die Verdrängung bei der Patientin, beim Arzt und bei der Gruppe! Es ist für mich sehr eindrucksvoll, wie sehr sich alle am Symptom festklammern. Die Gruppe nimmt zwar Anstoß am Hau-Ruck-Verfahren des Arztes, kritisiert dieses heftig und merkt auch am Ende, daß sie in Gefahr ist, mit ihm ähnlich zu verfahren, wie der Arzt mit seiner Patientin, der nächste entscheidende Schritt zur Klärung der Vater-Tochter-Beziehung wird jedoch nicht vollzogen.

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© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1988

Authors and Affiliations

  • Wolfgang Wesiack

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