Das prämenstruelle Syndrom — eine weibliche Erlebnisform?

  • V. Frick-Bruder

Zusammenfassung

Ich möchte vorausschicken, daß ich mich mit diesem Thema, das ich übernommen, nicht gewählt habe, nicht ganz leicht getan habe. Das prämenstruelle Syndrom so darzustellen, daß nicht nur verständlich, sondern auch einigermaßen schlüssig belegbar deutlich wird, warum sich Frauen in der Erwartung ihrer Menstruation in einem seelischen Ausnahmezustand befinden können, erwies sich als schwierig. Dies um so mehr, je tiefer ich in die Problematik eindrang. Mit der eher feststellenden Formulierung des Themas (in der Programmankündigung mit einem Punkt, nicht mit einem Fragezeichen versehen), die impliziert, daß es sich um eine zum Frausein dazugehörige Erlebensweise mit fraglichem Krankheitswert handelt, ist mir keine leichte Aufgabe gestellt worden, denn diese Annahme gilt es ja auch zu bstätigen oder zu widerlegen. Fragen, die hierzu spontan in mir auftauchten, waren z. B.: Wenn wenigstens die Hälfte aller Frauen zwischen 15 und 45 — vermutlich aber noch mehr — vor jeder Regel unter prämenstruellen syndromähnlichen Beschwerden leidet, aber nur 20% deshalb einen Arzt aufsuchen (Cerutti 1982) handelt es sich dann nicht um eine herbeigeredete Krankheit? Schicken sich Frauen ganz selbstverständlich in das Los, das ihnen laut biblischer Überlieferung als Strafe für ihren ersten Sündenfall, die sexuelle Verführung des Mannes, auferlegt wurde, nämlich fortan an ihrer generativen Potenz auch zu leiden?

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1988

Authors and Affiliations

  • V. Frick-Bruder

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