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Die Bedeutung poststationärer Arbeitsbedingungen für die psychische Gesundheit stationär behandelter psychiatrischer Patienten

  • R. Vogel
  • V. Bell
  • S. Blumenthal
  • N.-U. Neumann
  • R. Schüttler
Conference paper

Zusammenfassung

Die anhaltend schlechte Beschäftigungslage hat zur Folge, daß es psychisch Kranken und Behinderten immer seltener gelingt, sich am Erwerbsleben zu beteiligen. Neuere Untersuchungen (Wedekind 1986; Vogel et al. 1986) verweisen auf eine Erwerbslosenrate von 50–70%. Dabei ist nahezu das gesamte Spektrum psychiatrischer (Krankenhaus-)Patienten betroffen. Der damit verbundene Problemdruck hat bei den Therapeuten zu unterschiedlichen Reaktionen geführt. Die einen bemühen sich vermehrt um Möglichkeiten und Hilfen zur Wiedereingliederung, weil ihnen angesichts des verstärkten Mangels an Arbeit deren Bedeutung größer denn je erscheint. Andere wiederum verweisen auf die gleichzeitig gestiegenen höheren Anforderungen an die Erwerbstätigen und die damit verbundenen höheren Belastungen und entwickeln Arbeitskonzepte, die dem Freizeitbereich verstärkte Aufmerksamkeit zuwenden. Für beide Reaktionsformen gibt es gute Argumente, da Arbeit sowohl für die psychische Gesundheit förderliche (Jahoda et al. 1975; Brinkmann 1978; Brenner 1973, 1976, 1979; Feuerlein 1979; Frese u. Mohr 1978; Wacker 1978; Frese 1978; Büchte-mann 1984), als auch abträgliche Funktionen besitzt (Kornhauser 1965; Gleiss et al. 1973; Abholz 1970, 1973; Rudolph 1974; Bolm 1980; Weiss 1984; Link u. Dohrenwend 1985). Allerdings muß man kritisch anmerken, daß eine Auseinandersetzung mit dieser Problematik auf der Ebene der obigen Untersuchungen nur theoretisch-abstrakte Schlußfolgerungen zuläßt.

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Literatur

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1988

Authors and Affiliations

  • R. Vogel
  • V. Bell
  • S. Blumenthal
  • N.-U. Neumann
  • R. Schüttler

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