Advertisement

Kultur- und zeitgeschichtliche Variationen des geschlechtsspezifischen und sexuellen Vorstellens, Erlebens und Verhaltens

  • Toni Reinelt

Zusammenfassung

Die Kultur gibt gleichsam jenen Rahmen ab, innerhalb dessen Triebäußerungen, Phantasien und Verhaltensvarianten gelebt werden dürfen. Außerdem modifiziert sie Entäußerungen ihrer Angehörigen, die bereits Randerscheinungen des Möglichen sind bzw. gegen sie verstoßen und deshalb sanktioniert werden. Wir greifen in diesem Zusammenhang einen Satz auf, den wir bei Devereux (1982) gelesen haben und der folgendermaßen lautet: „Tue es nicht, aber wenn du es tust, dann muß es so und so gemacht werden“ (S.52). Das muß nun keinesfalls eine dem Individuum klar bewußte Anweisung sein, sondern kann aus seiner Interiorisation „kultureller Archetypen“ hervorgehen. So wie es ein kollektives Unbewußtes (Jung 1935, Ausg. 1975) des Menschen gibt, welches sich archetypisch organisiert (wir denken hier auch an die angeborenen Lehrmeister von Lorenz), erwirbt das Individuum ein ethnisches Unbewußtes (Devereux 1982, S.11), das auf einer Ebene bewußtseinsarmer, unreflektierter psychischer Prozesse gelernt wird. Dieses ethnische Unbewußte besitzt die Mehrzahl der Mitglieder einer Kultur. Es enthält zusammen mit dem „kulturellen Bewußten“ — also allen jenen kulturellen Inhalten und Modalitäten der Strukturierung und Organisation, die in einem bewußten Lernprozeß vom Individuum angeeignet werden — Anweisungen und Informationen für die Ausgestaltung der Geschlechtsrolle und des sexuellen Verhaltens.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1989

Authors and Affiliations

  • Toni Reinelt
    • 1
    • 2
  1. 1.Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und JugendaltersWienÖsterreich
  2. 2.Interfakultäres Institut zur Sonder- und Heilpädagogik der Universität WienWienÖsterreich

Personalised recommendations