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Sexuelle Perversion als Erlebens- und Beziehungssurrogat

  • Toni Reinelt

Zusammenfassung

Baerends (1950) und Tinbergen (1940; 1951) unterscheiden bei Tieren 3 Abschnitte der Triebhandlungen: das Appetenzverhalten, das Ansprechen von angeborenen Auslösemechanismen und den triebstillenden Ablauf der Instinktbewegung. Wenn der triebstillende Ablauf eines im Erbprogramm festgelegten Verhaltensmusters über einen längeren Zeitraum unterbleibt, wird das Tier unruhig und sucht aktiv nach Schlüsselreizen. Wir nehmen dabei an, daß üblicherweise die „sexuelle Motivation“ des Tiers aus sexuellen Triebquellen oder Anreizen stammt, wissen jedoch aus Untersuchungen der Lernpsychologie, daß ein experimentell „neurotisiertes“ Tier „innere Konflikte“ auch in sexuelle Reaktionen umsetzen kann. Es ist also dann nicht eine originäre sexuelle Appetenz, die das Triebverhalten auslöst. Wir stoßen hier auf Vorgänge, die auch bei der menschlichen Sexualität zu beobachten sind, wenn es zu einer Sexualisierung von Spannungen kommt, die nicht direkt der Ausdruck des Triebs sind, sondern aus Angst, gehemmter Wut oder Depressionen hervorgehen. Eben das scheint insbesondere bei Perversionen öfter der Fall zu sein, denn wir finden bei denselben kein „biologisch starkes oder intensives natürliches sexuelles Triebverlangen“ (Khan 1983, S.15). Khan spricht sogar von einer ständigen Angst vor Triebleere, die die Sehnsucht nach polymorph-perversen Körpererfahrungen erweckt (S. 56). Denn es gibt immer wieder Menschen, die sich beweisen wollen, daß sie tatsächlich Triebbedürfnisse haben, die gemeinsam mit einer anderen Person verwirklicht und erlebt werden können. Aus der inneren libidinisierten Spannung kommt es zu einer unruhigen Getriebenheit und der Suche nach situativen Gegebenheiten bzw. der Herstellung von Arrangements, welche das Ausleben perverser Praktiken ermöglichen. Was dann als überaus starke Triebhaftigkeit erscheint, ist oft nichts anderes als Abwehr und „Bewältigung“ drohender emotionaler Einbrüche.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1989

Authors and Affiliations

  • Toni Reinelt
    • 1
    • 2
  1. 1.Universitätsklinik für Neuropsychiatrie des Kindes- und JugendaltersWienÖsterreich
  2. 2.Interfakultäres Institut zur Sonder- und Heilpädagogik der Universität WienWienÖsterreich

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