Advertisement

Alzheimersche Krankheit: Nosologische Entität oder psychopathologisches Syndrom? Zum gegenwärtigen Stand der Alzheimer-Forschung

  • M. Bergener
  • C. Hesse

Zusammenfassung

Alzheimer berichtete 1907 über einen Krankheitsfall, der „schon klinisch ein so abweichendes Bild (bot), daß er sich unter keiner der bekannten Krankheiten einreihen ließ...“ (S.146). Auch anatomisch ergab sich ein von allen bisher bekannten Krankheitsprozessen abweichender Befund. Die Bedeutung der von Alzheimer in seinem Krankheitsfall beschriebenen Gewebsniederschläge wurde im Laufe der Jahre recht verschieden bewertet: Zunächst hielt man sie für das spezifische anatomische Substrat der senilen Demenz. Nachdem man sie, allerdings in geringerer Ausprägung, später auch bei geistig gesunden Betagten gefunden hatte, sollte ihnen jede Bedeutung als Hinweis auf eine Demenz grundsätzlich abgesprochen werden. Aufgrund klinischer Erkenntnisse wurde einerseits vermutet, daß es sich bei der senilen Demenz und der Alzheimerschen Krankheit um zwei verschiedene Krankheitsprozesse handelte. Demgegenüber war bereits Kraepelin (1910) von der Sonderstellung der von ihm so bezeichneten „Alzheimerschen Krankheit“ überzeugt, wobei er als rätselhaft hervorhob, daß gerade das Präsenium schwerere Veränderungen verursachen würde als das Senium. Beide Prozesse verliefen allerdings über die gleichen Abbaustufen, wobei die Alzheimersche Krankheit meist früh auftritt, häufiger mit körperlichen Krankheiten einhergeht, stürmischer verläuft und rascher zu hochgradigen Sprachausfällen führt, die bei der senilen Demenz im allgemeinen erst nach jahrelangem Krankheitsverlauf erreicht werden.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Albert E (1964) Senile Demenz und Alzheimer’sche Krankheit als Ausdruck des gleichen Krankheitsgeschehens. Fortschr Neurol Psychiatr 32:625–627Google Scholar
  2. Alzheimer A (1906) Über einen eigenartigen schweren Krankheitsprozeß der Hirnrinde. Neurologisches Centralblatt 25:1134Google Scholar
  3. Alzheimer A (1907) Über eine eigenartige Erkrankung der Hirnrinde. Allg Z Psychiatr 64: MOWSGoogle Scholar
  4. Alzheimer A (1911) Über eigenartige Krankheiten des späteren Alters. Z Ges Neurol Psychiatr 4:356–385CrossRefGoogle Scholar
  5. Bergener M, Jungklaaß FK (1970) Genetische Befunde bei Morbus Alzheimer und seniler Demenz. Gerontol Clin 12:71–75CrossRefGoogle Scholar
  6. Eiden H-F, Lechner H (1950) Über psychotische Zustandsbilder bei der Pick’schen und der Alzheimer’sehen Krankheit. Arch Psychiatr Nervenkr 184:393–412CrossRefGoogle Scholar
  7. Frey E (1914) Beiträge zur Klinik und pathologischen Anatomie der Alzheimer’schen Krankheit. Z Neurol 27:397–434Google Scholar
  8. Fünfgeld E (1928) Über die Beteiligung der Stammganglien am anatomischen Prozeß der Alzheimer’schen Krankheit. Zentralbl Ges Neurol Psychiatr 48:104Google Scholar
  9. Gerhard L (1969) Morphologische Befunde der Differentialdiagnose „Cerebralsklerose“und senile Demenz. In: Fischer G (Hrsg) Alters- und Aufbrauchkrankheiten des Gehirns. Fischer, Stuttgart, S 164–178Google Scholar
  10. Grünthal E (1926) Über die Alzheimer’sche Krankheit. Eine histopathologisch-klinische Studie. Z Ges Neurol Psychiatr 101:128–157CrossRefGoogle Scholar
  11. Grünthal E (1928) Zur hirnpathologischen Analyse der Alzheimer’schen Krankheit. Psychiatr Neurol Wochenschr 30:401–408Google Scholar
  12. Grünthal E (1929) Die erworbenen Verblödungen. Klinik und Anatomie. Fortschr Neurol Psychiatr 1:235–244Google Scholar
  13. Grünthal E (1932) Die erworbenen Verblödungen. Klinik und Anatomie. Fortschr Neurol Psychiatr 4:306–320Google Scholar
  14. Grünthal E (1935) Die erworbenen Verblödungen. Klinik und Anatomie. Fortschr Neurol Psychiatr 7:241–242Google Scholar
  15. Grünthal E (1936) Die Alzheimer’sche Krankheit. In: Bumke O, Foerster O (Hrsg) Die präsenilen und senilen Erkrankungen des Gehirns und des Rückenmarks. Springer, Berlin (Handbuch der Neurologie, Bd XI/III, S 477–484)Google Scholar
  16. Grünthal E, Wenger O (1939) Nachweis von Erblichkeit bei der Alzheimer’schen Krankheit nebst Bemerkungen über den Altersvorgang im Gehirn. Monatsschr Psychiatr Neurol 101:8–25CrossRefGoogle Scholar
  17. Grünwald P, Jungklaaß F-K, Mehne P (1973) Genfrequenzen erblich bedingter Bluteigenschaften bei Morbus Alzheimer. In: Bergener M (Hrsg) Gerontopsychiatrie, Bd 3. Janssen, Düsseldorf, S 326–341Google Scholar
  18. Hallervorden J (1957) Das normale und pathologische Altern. Nervenarzt 28:433–445PubMedGoogle Scholar
  19. Herz E (1928) Über die Symptomatologie der Alzheimer’schen Krankheit. Autoreferat. Zentralbl Ges Neurol Psychiatr 48:104Google Scholar
  20. Herz E, Fünfgeld E (1928) Zur Klinik und Pathologie der Alzheimer’schen Krankheit. Arch Psychiatr 84:633–664CrossRefGoogle Scholar
  21. Hilpert P (1926) Zur Klinik und Histopathologic der Alzheimer’schen Krankheit. Arch Psychiatr Nervenkr 76:379–393CrossRefGoogle Scholar
  22. Hoff H, Seitelberger F (1956) Die Altersveränderungen des menschlichen Gehirns. Z Alternsforsch 10:307–318Google Scholar
  23. Kraepelin E (1910) Psychiatrie. Ein Lehrbuch für Studierende und Ärzte. 8.Aufl, Bd 2. Barth, LeipzigGoogle Scholar
  24. Lauter H (1961) Genealogische Erhebungen in einer Familie mit Alzheimer’scher Krankheit. Arch Psychiatr Nervenkr 202:126–139CrossRefGoogle Scholar
  25. Lauter H (1968) Zur Klinik und Psychopathologie der Alzheimer’schen Krankheit. Erhebungen an 203 pathologisch-anatomisch verifizierten Fällen. Psychiatr Clin 1:85–108Google Scholar
  26. Lauter H (1972) Organisch bedingte Alterspsychosen. 1. Demenzen vom Alzheimer-Typ. In: Kisker KP, Meyer JE, Müller C, Strömgren E (Hrsg) Psychiatrie der Gegenwart. Forschung und Praxis. Klinische Psychiatrie, Bd 2. Springer, Berlin Heidelberg New York, S 1103–1142Google Scholar
  27. Leuchtenberg P (1942) Ein klinischer Fall von Alzheimer’scher Krankheit mit „akzentuierter” Atrophie der parieto-occipital-Region. Allg Z Psychiatr 121:97–123Google Scholar
  28. Liebers M (1939) Alzheimer’sche Krankheit mit Pick’scher Atrophie der Stirnlappen. Arch Psychiatr 109:363–370CrossRefGoogle Scholar
  29. Riederer P (1986) Neurobiochemische Besonderheiten bei dementiellen Prozessen. Vortrag auf dem 4. Kongreß der Deutschen Gesellschaft für biologische Psychiatrie, WürzburgGoogle Scholar
  30. Scholz W(1938) Studien zur Pathologie der Hirngefäße. II. Die drusige Entartung der Hirnarterien und -capillaren. Z Ges Neurol Psychiatr 162:694–715CrossRefGoogle Scholar
  31. Schoitky J (1932) Über präsenile Verblödungen. Z Ges Neurol Psychiatr 140:333–397CrossRefGoogle Scholar
  32. Seitelberger F (1969) Neurologie und Pathologie der nicht gefäßbedingten Alternsprozesse im Gehirn. Wien Klin Wochenschr 81:509–518PubMedGoogle Scholar
  33. Seitelberger F, Jellinger K (1958) Umschriebene Großhirnatrophie bei Alzheimer’scher Krankheit. Dt Z Nervenheük 178:365–379Google Scholar
  34. Stochdorph O (1969) Zur nosologischen Stellung der kongophilen Angiopathie (sog. Altersamyloidose) des Gehirns. In: Giese W (Hrsg) Alters- und Aufbrauchkrankheiten des Gehirns. Fischer, Stuttgart, S 233–236Google Scholar
  35. Winblad B, Wallace W, Hardy J, Fowler C, Bucht G, Alafuzoff I, Adolfsson R (1986) Neurochemical, genetic and clinical aspects of Alzheimer’s disease. In: Bergener M, Ermini M, Stähe-lin HB (eds) Dimensions in aging. The 1986 Sandoz lectures in gerontology. Academic Press, London, pp 183–204Google Scholar
  36. Zimmer R, Teelken AW, Schaaf M, Muskiet FAJ, Berg G v d (1984) Cerebrospinal polyamine levels in senile dementia of Alzheimer type. Vortrag auf dem 14. CINP-Kongreß, FlorenzGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1988

Authors and Affiliations

  • M. Bergener
  • C. Hesse

There are no affiliations available

Personalised recommendations