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Wie und warum entstehen wissenschaftliche Irrtümer?

  • Peter Karlson
Part of the Natur wissenschaften-Bibliothek book series (NATURWISSENSCH.)

Zusammenfassung

Das Thema scheint eine Provokation, ja geradezu ein Sakrileg zu sein. Die Wissenschaft nimmt schließlich für sich in Anspruch, objektive Wahrheiten zu erkennen. Kann sie irren, oder kann sie gar wissenschaftlich die Wahrheit verschleiern oder etwas Falsches behaupten? Die Erfahrung lehrt, daß es Irrtümer gegeben hat, und alles spricht dafür, daß es auch in Zukunft welche geben wird. Das hat im wesentlichen zwei Gründe:
  1. 1.

    Wissenschaftliche Erkenntnis hat neben der sachorientierten auch eine historische Dimension. Wer heute als Student ein Lehrbuch der Chemie, der Physik, der Biologie in die Hand nimmt, bekommt meistens ein vollständiges Gebäude dieses Wissenschaftszweiges vorgesetzt. Es wird im allgemeinen verschwiegen, daß dieses Gebäude erst im Laufe der letzten drei Jahrhunderte errichtet wurde, daß die Arbeit vieler Naturforscher darin steckt. Der Weg zu diesem Ziel ist keineswegs gradlinig gewesen. Viele Irrtümer sind begangen worden und mußten korrigiert werden; die bessere Erkenntnis verdrängt mehr oder weniger schnell die alte Auffassung.

     
  2. 2.

    Wissenschaftliche Erkenntnis hat aber auch eine persönliche Dimension. In den Geisteswissenschaften ist uns dies sehr geläufig: Wir sprechen von der Philosophie Kants, von der Philosophie Schopenhauers oder der Heideggers. In den Naturwissenschaften gibt es nichts unmittelbar Vergleichbares. Die von Philip Lenard und Johannes Stark propagierte „Deutsche Physik“, die sich gegen „jüdische Geistesprodukte“ wie z.B. Einsteins Relativitätstheorie abgrenzen wollte, verschwand mit dem Zusammenbruch des Hitler-Regimes. In den Naturwissenschaften tritt der Naturforscher hinter seinem Werk zurück; allenfalls lebt sein Name noch in der Bezeichnung wichtiger Größen oder Einheiten, wie etwa das Plancksche Wirkungsquantum oder der Ohmsche Widerstand.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin · Heidelberg 1987

Authors and Affiliations

  • Peter Karlson
    • 1
  1. 1.Philipps-Universität MarburgGermany

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