Advertisement

Übertragungsprozesse in der Supervision

  • J. Körner
Chapter
  • 16 Downloads

Zusammenfassung

Die Art und Weise, wie wir andere Menschen wahrnehmen und in der Beziehung zu ihnen handeln, ist — mehr oder weniger intensiv — geprägt von unseren früheren Beziehungserfahrungen. Dieser Sachverhalt ist gemeint, wenn wir von der Wirksam-keit der Übertragungen sprechen. In einem sehr einfachen Beispiel erleben wir einen anderen Menschen so, wie wir eine emotional bedeutsame Person unserer frühen Lebensgeschichte wahrgenommen haben. In diesem Falle wiederholen wir also, ohne es zu bemerken, eine früher internalisierte Beziehungserfahrung. In der Realität ist es freilich komplizierter: Wir erleben andere Menschen nicht einfach so, wie unsere frühen Bezugspersonen, unser Vater, unsere Mutter, in der Realität gewesen sind, sondern wir können ebensogut einen Vater „wiedererleben“, wie wir ihn gerne gehabt hätten — ohne daß er jemals so gewesen ist. Oder in einem anderen Beispiel erscheint uns hier und heute eine Mutterfigur, wie wir sie auf keinen Fall jemals haben wollten. D.h. unsere Mutter war ganz anders, aber wir fürchteten, sie könnte eines Tages so sein. Ich will damit sagen, daß Übertragungen nicht einfach ein Abbild der früher erlebten Realität — wie immer man diese definieren will — sind, sondern Übertragun-gen sind subjektive Entwürfe; sie sind, in einer anderen Sprache gesprochen: Manipulationen an den Objektrepräsentanzen.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literatur

  1. Balint M (1964) Der Arzt, sein Patient und die Krankheit, 4. Aufl., Klett, StuttgartGoogle Scholar
  2. Beckmann D (1978) Übertragungsforschung. In: Pongratz LJ (Hrsg) Handbuch der Psychologie, Bd VII/2. Hogrefe, Göttingen Toronto Zürich, S 1243–1265Google Scholar
  3. Cremerius J (1983) Abstinenz: Realität und Mythos. Vortrag, gehalten auf der Wissenschaftlichen Tagung am M. Balint-Institut in Hamburg am 25. 2. 1983Google Scholar
  4. Frank K (1983) Die Abstinenz und die Freiheit des Analytikers. Vortrag, gehalten auf der Sektionstagung der Sektion Analytische Gruppenpsychotherapie im Deutschen Arbeitskreis für Gruppendynamik und Gruppenpsychotherapie am 12. 6. 1983 (unveröffentl. Manuskript)Google Scholar
  5. Freud S (1912) Ratschläge für den Arzt bei der psychoanalytischen Behandlung. Ges. Werke, Bd VIII. Imago, London, S 376–387Google Scholar
  6. Freud S (1914) Zur Geschichte der Psychoanalytischen Bewegung. Ges. Werke, BdX. Imago, London, S 44–113Google Scholar
  7. Freud S (1915) Bemerkungen über die Übertragungsliebe. Ges. Werke, BdX. Imago, London, S 306–321Google Scholar
  8. Greenson RR (1967) Technik und Praxis der Psychoanalyse. Klett, Stuttgart (1973)Google Scholar
  9. Heimann P (1960) Bemerkungen zur Gegenübertragung. Psyche 18: 480–493Google Scholar
  10. Jones E (1962) Das Leben und Werk von Sigmund Freud. Huber, Bern StuttgartGoogle Scholar
  11. König K (1982) Der interaktionelle Anteil der Übertragung in Einzelanalyse und analytischer Gruppenpsychotherapie. Gruppenpsychotherapie Gruppendynamik 18: 76–83Google Scholar
  12. König K, Tischtau-Schröter R (1982) Der interaktionelle Anteil der Übertragung bei Partnerwahl und Partnerveränderung. Z Psychosom Med 28: 266–279Google Scholar
  13. Körner J (1980) Über das Verhältnis von Psychoanalyse und Pädagogik. Psyche 34: 769–789PubMedGoogle Scholar
  14. Loch W (1965) Voraussetzungen, Mechanismen und Grenzen des psychoanalytischen Prozesses. Huber, Bern Stuttgart Möller ML (1977) Zur Theorie der Gegenübertragung. Psyche 31: 142–166Google Scholar
  15. Morgenthaler F (1978) Technik. Zur Dialektik der psychoanalytischen Praxis. Syndikat, Frankfurt/M.Google Scholar
  16. Muck M (1977) Übertragung und Gegenübertragung. In: Eicke D (Hrsg) Die Psychologie des 20. Jahrhunderts, Bd III, Freud und die Folgen II. Kindler, Zürich, S 1109–1124Google Scholar
  17. Racker H (1959) Übertragung und Gegenübertragung. Studien zur psychoanalytischen Technik. Reinhardt, München (1982)Google Scholar
  18. Thomä H (1981) Schriften zur Psychoanalyse. Vom spiegelnden zum aktiven Analytiker. Suhrkamp, Frankfurt/M.Google Scholar
  19. Thomä H (1984) Der Beitrag des Psychoanalytikers zur Übertragung. Psyche 38: 29–62PubMedGoogle Scholar
  20. Willi J (1975) Die Zweierbeziehung. Rowohlt, Reinbek bei HamburgGoogle Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin, Heidelberg 1987

Authors and Affiliations

  • J. Körner

There are no affiliations available

Personalised recommendations