Fasermatrix und Plattenmatrix

  • W. Dosch
Conference paper
Part of the Fortschritte der Urologie und Nephrologie book series (2824, volume 25)

Zusammenfassung

Bei der schonenden Demineralisierung von Harnsteinen mit geeigneten Lösungsmitteln (2) kann die früher als „Matrix“ bezeichnete filmbildende organische Substanz (Mukoproteine), die durchschnittliche 2.5% der Steinmasse ausmacht (1) in ihrer ursprünglichen Anordnung freigelegt werden (Abb. 1). Die These einer ursächlichen Funktion dieses Material als eine (steuernde) Matrix für die Harnsteinbildung wurde schon von ihren ersten Beobachtern, Meckel von Helmsbach (11), Kräche (9), Epstein und Nicolaier (4, 5) aufgestellt und später, in den 60er bis 70er Jahren vor allem von den Arbeitsgruppen um Boyce und Vermeulen weiter verfolgt. Sie fiel in sich zusammen, als Vermeulen et al. (12) zeigten, daß Konkremente auch aus ultrafiltrierten mukoproteinfreien Harnen wachsen können, und zwar mit allen Kennzeichen echter Harnsteine, einschließlich dem geschichteten Aufbau. Das Matrixkonzept wurde vom Kristallisationskonzept abgelöst: Die Abscheidung von Kristallen bis hin zur Bildung massiver Konkremente ist mit den Gesetzen der physikalischen Chemie über die Abscheidung schwerlöslicher Stoffe aus Lösungen und den für Keimbildung, Kristallwachstum und Aggregation geltenden Regeln vollständig erklärbar (3). Warum aber werden Kristalle und Mikrolithe nicht immer auf natürlichem Wege ausgeschwemmt, bevor aus ihnen nicht mehr abgangsfähige Makrolithe entstehen? Das Wachstum von Harnsteinen ist im allgemeinen ein langsamer Prozeß, in dessen Anfangsstadien die Wahrscheinlichkeit über längere Zeit hinweg klein bleibt, daß heranwachsende Partikel nicht von dem Transportmedium Harn nach außen befördert werden.

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Copyright information

© Dr. Dietrich Steinkopff Verlag, GmbH & Co. KG., Darmstadt 1987

Authors and Affiliations

  • W. Dosch
    • 1
  1. 1.Institut für Mineralogie und PetrographieUniversität MainzMainzDeutschland

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