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Motorische Auslösung

  • Arnulf Rüssel
Part of the Wissenschaftliche Forschungsberichte book series (volume 77)

Zusammenfassung

Die Motorik hat einen beträchtlichen Anteil am gesamten Lebensvollzuge, der sich noch erhöht, wenn auch die Sprechmotorik berücksichtigt wird, was aber hier nicht geschehen soll. Die Auslösung des motorischen Geschehens kann vollständig nie ohne Berücksichtigung aller gegenwärtigen Lebensumstände — und der Nachwirkungen früheren Erlebens und Tuns — erörtert werden. Eine solche Vollständigkeit kann hier nicht angestrebt werden, woraus sich notwendigerweise manche Einschränkungen ergeben. Als Richtlinie soll eingehalten werden, daß die der unmittelbaren Auslösung der motorischen Vollzüge vorausgehenden, die handelnde Person betreffenden Ereignisse und Zustände nur dann in Kürze erwähnt werden sollen, wenn sie einen deutlichen Einfluß auf das motorische Geschehen haben. Obwohl dies keinerlei scharfe Abgrenzung ist, könnte sich im Verlaufe der Darstellung doch der Eindruck bilden, als sei zwischen Motivation, Erfolgsstreben, Entschluß usw. einerseits, motorische Auslösung und Durchführung andererseits in der Regel eine zutreffende Trennung möglich und jeder Bereich für sich, mit gelegentlichen Verweisungen erörterbar. Dieser Eindruck wird aber nur dadurch erzeugt und begünstigt, als es nicht angängig ist, bei der Erörterung motorisch interessanter Ereignisse so weit auszuholen, daß auch die wichtigsten allgemeinen Lebensumstände und Handlungsbedingungen, selbst wenn sie bekannt sind, einigermaßen gleichmäßig berücksichtigt werden können. Da uns nur Handlungen interessieren, die einen wichtigen motorischen Anteil haben, stellt schon folgende Erwägung die Brücke zwischen den scheinbar getrennten Bereichen — Vorbereitung einerseits, motorische Durchführung andererseits — her. Sofern im ersten Abschnitt der Vorbereitung eine sachgerechte Entscheidung, ob und wie ein Ziel erstrebt werden soll, notwendig ist, hätte diese Entscheidung auch zu berücksichtigen, ob das zur Zielerreichung notwendige motorische Können überhaupt und auch im gegenwärtigen Augenblick zur Verfügung steht. Es wäre eine schlechte, im Notfall freilich nicht immer zu vermeidende Strategie, ohne Erfahrung sich darauf zu verlassen, daß das vorhandene motorische Können schon ausreichend sein wird. Ein solcher Notfall ergibt sich etwa dann, wenn übermächtiger, äußerer Zwang vorliegt oder sich aus der gegenwärtigen psychischen Situation heraus Motivationen und Strebungen bilden, die uns eigentlich unangemessen sind. Die Berücksichtigung des motorischen Könnens bei einer Sachentscheidung kann freilich aus verschiedensten Gründen unterbleiben. Erweist sich die Untelassung als verhängnisvoll, so wird die Handlungsanalyse die hypothetische Trennungslinie der beiden Bereiche rückwärts überschreiten und etwa feststellen, daß der Handlungsentschluß unter starkem Affektdruck erfolgte.

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Copyright information

© Dr. Dietrich Steinkopff Verlag GmbH & Co. KG, Darmstadt 1976

Authors and Affiliations

  • Arnulf Rüssel
    • 1
  1. 1.vormals Universität Leipzig, Technische Universität BraunschweigDeutschland

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