Fallbeispiel: Kurzpsychotherapie bei einer Colitis-ulcerosa-Kranken

  • Heinz-Günter Rechenberger

Zusammenfassung

Aus der Medizinischen Universitätsklinik Düsseldorf ruft ein erfahrener Stationsarzt an und fragt, ob er mir eine ca. 30jährige Patientin einmal vorstellen könne, die bei ihm seit einiger Zeit wegen einer Erkrankung, die Colitis-ulcerosa-ähnlich ist, stationär behandelt wird. Die Patientin ist ihm aufgefallen, weil mit internistischen Mitteln die Häufigkeit ihrer Durchfälle zwar von 30 auf 3 pro Tag zurückgegangen sind, die Symptomatik aber nicht vollständig zum Verschwinden zu bringen ist, und weil die Patienten eine Blauverfärbung des Gesichts aufweist, für die sich kein Grund finden läßt. Die Internisten hatten die Patientin — so berichtet der Kollege — zwischendurch auch den Neurologen, den Kieferchirurgen und den Dermatologen vorgestellt. Von letzteren haben sie ihre der Patientin gegenüber nicht geäußerte Vermutung bestätigt erhalten, daß es sich bei der Blauverfärbung des Gesichts um einen Artefakt handelt. Der Stationsarzt hat daher frühmorgens, ohne mit der Patientin darüber zu sprechen, in vorsichtiger Weise die Farbe aus dem Gesicht abgewaschen, ihr damit nonverbal demonstrierend, daß er sehr wohl durchschaut hat, daß die Blauverfärbung des Gesichts von außen kommt. Die Fehlverhalten der Patientin zusammen mit ihrer internistischen nicht vollständig auszuheilenden Colitis ulcerosa ist Anlaß, eine Psychogenesse ihres Leidens in Erwägung zu ziehen und mich zu fragen, ob ich diese Patientin mir einmal ansehen will.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1987

Authors and Affiliations

  • Heinz-Günter Rechenberger
    • 1
  1. 1.Klinik für PsychotherapieDüsseldorf 30Germany

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