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Selbstmord und Selbstmordversuch — forensisch-psychiatrischer Stellenwert

  • H. Pohlmeier

Zusammenfassung

Selbstmord und Selbstmordversuch, Unterbegriffe des allgemeinen Begriffs „suizidales Verhalten“, sind besondere Fälle der forensischen Psychiatrie. Man könnte sie auch als besondere Syndrome der Psychopathologie bezeichnen, würde allerdings irrigerweise verallgemeinern, daß es sich in jedem Falle um Krankheit oder Symptom einer Krankheit handelt. Deshalb werden sie im vorliegenden Zusammenhang nicht unter dem Abschnitt „psychopathologisch-klinische Syndrome“ abgehandelt, sondern unter dem der speziellen Fälle. Es handelt sich forensisch um die Begutachtung eines besonderen Verhaltens, das psychopathologisch sein kann, aber nicht krankhaft sein muß. So ist zunächst die Frage des Krankheitswertes suizidalen Verhaltens zu erörtern. Sodann soll exemplarisch die Bedeutung einer Entscheidung darüber für Prozesse im Strafrecht erörtert werden, die im Zivilrecht (Haftung), Arbeitsrecht (Lohnfortzahlung) und Sozialrecht (Entschädigung) ebenso gültig ist. Dabei wird am Rande sichtbar, wie Zeitströmungen und Weltanschauungen sowohl die Begutachtung als auch die Rechtsprechung beeinflussen. Sodann wird versucht, die Natur und Beurteilung der Selbstmordhandlungen jenseits von Krankheitsbegriffen darzustellen. Daraus ergibt sich zum Schluß die Frage nach der Rolle von Gewissensentscheidungen im rechtsfreien Raum von Selbstmord und Selbstmordversuch.

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© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1986

Authors and Affiliations

  • H. Pohlmeier

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