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Familientherapeutische Interventionen bei stationärem Aufenthalt eines kolitiskranken Kindes

  • K. Perinelli
Conference paper

Zusammenfassung

Die Familie, von der ich Ihnen berichten möchte, habe ich das erstemal zu diagnostischen Gesprächen im Rahmen einer Studie gesehen, die wir am Institut für Psychosomatik in Frankfurt durchgeführt haben. Nach den Testuntersuchungen und Erstinterviews schlossen sich mit der Familie 5 Beratungsgespräche an. Nach etwa 21/4 Jahren ergab sich dann erneut ein Kontakt mit dieser Familie und zwar anläßlich eines massiven Rezidivs, das zu einem längeren stationären Aufenthalt des Kindes führte. Bevor ich darüber berichte, möchte ich Ihnen einen Eindruck von der Familie vermitteln, wie sie sich mir im Erstgespräch dargestellt hat. Familie Degen kommt auf Anraten eines Stationsarztes der Kinderklinik. Die damals 10jährige Isolde lag dort seit einigen Wochen, sie bekam noch Astronautenkost, war aber zum Zeitpunkt des Interviews in Remission. Der Vater ist ein korpulenter 33jähriger Mann, so der Typ des „gemütlichen Dicken“, der aber auch schnell ungemütlich werden kann, also barsch im Tonfall und ungeduldig. Neben ihm sitzt sein 5jähriger Sohn Thomas, motorisch unruhig spielt dieser mit den außerhalb des Sitzkreises bereitgelegten Spielsachen. Frau Degen ist unscheinbar, sie wirkt bieder, spröde. Von ihr kommen zum Teil detaillierte Darstellungen der medizinischen Untersuchungsergebnisse, es passiert dabei, daß ihr bald niemand mehr zuhört. Die Indexpatientin Isolde bringt sich spontan nicht ins Gespräch ein, sie ist ein blondes Mädchen, die eine altkluge pseudoerwachsene Haltung einnimmt, z. B. sitzt sie die Stunde über mit überschlagenen Beinen und aufgestütztem Kopf fast unbeweglich da.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1987

Authors and Affiliations

  • K. Perinelli

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