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Möglichkeiten und Grenzen der Naturwissenschaften in der Medizin

  • H.-J. Bretschneider
Part of the Patientorientierte Allgemeinmedizin book series (NEUE ALLGEMEIN., volume 3)

Zusammenfassung

Das Thema bewegt sich zwischen den beiden Polen Naturwissenschaft und Medizin. Einer vordergründigen Betrachtung der z. Z. gültigen Ausbildungspläne für angehende Mediziner könnte es erscheinen, als deckten sich diese beiden Begriffe; das ist jedoch nach einer jahrtausendealten und bewährten ärztlichen Tradition der Medizin wie auch nach der heutigen Wirklichkeit des Kranken nicht der Fall. Wie soll man Medizin also definieren? Ich möchte darunter verstanden wissen: Das gesamte Rüstzeug — nicht allein das naturwissenschaftliche Werkzeug — dessen der Arzt bedarf, um einem konkreten Kranken zur Heilung zu verhelfen. Da Gesund-Sein — oder besser Heil-Sein — eines Menschen nicht von seinem Person-Sein zu trennen ist, führt die Frage nach Grenzen der Naturwissenschaften in der Medizin auch auf die Frage nach dem Wesen des Menschen, auf das den Menschen vor allen anderen Lebewesen auszeichnende Wesentliche. Medizin im weiteren Sinne wäre damit alles, was die Beziehung des Arztes zum Kranken und zur Krankheit fruchtbar gestalten kann, auch das Wissen um die eigenen Grenzen und die Empfindung der Not des Kranken. Es folgt daraus, daß ein erheblicher Teil der so aufgefaßten ärztlichen Ausbildung sich sowohl der naturwissenschaftlichen wie auch einer allgemein-wissenschaftlichen Lehrbarkeit entzieht, daß ein Teil hiervon zwar über Erziehung, aber nicht über Lehre vermittelt werden kann, und daß ein dritter Teil der „Ausbildung zum Arzt“ der Reifung der Persönlichkeit überlassen werden muß.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1986

Authors and Affiliations

  • H.-J. Bretschneider

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