Psychosomatische Aspekte von bandscheibenbedingten Rückenschmerzen

  • M. Kütemeyer
Part of the Psychotherapie und Psychosomatik book series (P+P)

Zusammenfassung

Seit der Entdeckung, daß das Ischiassyndrom durch Druck von degeneriertem Bandscheibengewebe auf eine Nervenwurzel zustande kommt (Mixter u. Barr 1934), meinten viele Ärzte, in diesem lokalen mechanischen Vorgang das We-sentliche des Schmerzsyndroms verstanden zu haben. Die Frage Operation oder nicht? rückte in den Vordergrund. Mangelnde Beobachtung anderer verursachender Faktoren war die Folge. Selten wird erwähnt, daß Mixter u. Barr (1934) bei mehreren ihrer operierten Patienten keinen Bandscheibenprolaps oder anderes komprimierendes Gewebe fanden. Die konservative Therapie, die für die meisten Patienten in Frage kommt, wurde ein Stiefkind der Forschung. Mangelnde Übereinkunft über ein optimales Vorgehen ist die Folge. Statt dessen werden konservativ behandelte Patienten in pragmatischer Folge oder gleichzeitig einer Fülle von therapeutischen Maßnahmen ausgesetzt, wobei die Auswahl weniger von Art und Schwere der Symptome als von der Spezialität des behandelnden Arztes bestimmt wird. Warnende Stimmen, die darauf hinweisen, daß das Wurzelkompressionssyndrom keine lokale, sondern eine Erkrankung des ganzen Menschen ist (Penzholz 1951; Pette 1953; Hoff 1954; Reischauer 1957), finden im künischen Alltag wenig Berücksichtigung. Psychosomatische Arbeiten befassen sich fast ausschließlich mit den chronischen Rückenschmerzen (Paul 1950; Cremerius 1955; Sternbach et al. 1973; Fleck 1975; Weintraub 1977; Janus 1978; Pongratz 1980); so werden psychosomatische Gesichtspunkte, wenn überhaupt, meist erst in einem späten, chronifizierten Stadium der Erkrankung nach erfolgloser Anwendung herkömmlicher therapeutischer Maßnahmen einbezogen. Es soll ein Konzept zur konservativen Behandlung lumbaler und zervikaler Wurzelsyndrome dargestellt werden, das sich auf dem Boden einer genaueren Kenntnis der Lebensweise, des Verhaltens und der zugrunde liegenden unbewußten Vorgänge der Patienten entwickelt hat und auch und vor allem für die Akutphase der Erkrankung geeignet ist.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1986

Authors and Affiliations

  • M. Kütemeyer

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