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Zusammenfassung

Die Geschichte der Narkose wird immer geschrieben als Kampf gegen den Schmerz. Unser großer Aufwand dient jedoch vornehmlich der Operierbarkeit. Dabei spielt auch der Kampf gegen den Schmerz eine Rolle. Aber entscheidend ist für uns, daß die Operation dem Patienten nichts anhaben kann, der Schmerz nichts seiner Psyche, der offene Bauch oder Brustkorb, der offene Schädel, das offene Herz nichts seiner Überlebensfähigkeit. Daß wir das heute so gut können, ist das Ergebnis unserer Forschung, unserer überlegenen Technik, unserer Inventivkraft der vergangenen 30 Jahre. Wir haben heute in der Beatmung, in der Kreislaufprophylaxe und -therapie, wie auch in der medikamentösen Behandlung lebensbedrohlicher Funktionsstörungen unseres Körpers einen Höhepunkt erreicht, der noch vor wenigen Jahren undenkbar schien. Wir können stolz und zufrieden sein. Aber je mehr wir können, um so höher werden die Ansprüche derjenigen, fur die wir das können. Gleichzeitig werden ihnen unsere Künste immer unheimlicher. Das ist nicht verwunderlich. Solange Operieren darin bestand, einen Blinddarm herauszunehmen, einen Bruch zu verschließen, ein Bein abzusägen, hatte für den Patienten nur der dadurch mögliche Schmerz und dessen Bekämpfung eine Bedeutung. Die Bedrohung der Operation lag für ihn nur darin, daß dem „Narkotiseur“ der Schlaf etwas zu tief geraten, die Rückführung zum Erwachen mißlingen könnte. Die Angst vor dem Tod bleibt ihm, auch wenn heute die Narkose für den Patienten keine ernstliche Bedrohung sein dürfte. Soviel wissen wir heute über die Körperfunktionen, so sicher sind unsere Narkosemittel und so effektiv ist auch unsere Narkoseüberwachung. Ängstigen dagegen muß unseren Patienten, was die Chirurgie heute dank anästhesiologischer Hilfe alles machen kann. Wir können heute zu viel, nicht mehr zu wenig, das ist die Bedrohung.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1986

Authors and Affiliations

  • J. Schara

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