Gerhard Anschütz 1867–1948

  • Ernst-Wolfgang Böckenförde
  • Ernst Von Forsthoff

Zusammenfassung

Die Person und das Wirken von Gerhard Anschütz sind mit der Universität Heidelberg in besonderer Weise verbunden. Anschütz war insgesamt 241/2 Jahre -von 1900 bis 1908 und 1916 bis zum Frühjahr 1933 — an der Universität als Lehrer und Forscher tätig, und zwar — gemäß der Umschreibung in den ministeriellen Ernennungserlassen — als ›Professor der deutschen Staats- und Rechtsgeschichte und des deutschen Reichs- und Landesstaatsrechts einschließlich des Verwaltungsrechts und der Polizeiwissenschaft, sowie des Kirchenrechts‹. Nachdem er 1908 an die Universität Berlin berufen worden war — im kaiserlichen Deutschland wohl das meisterstrebte Ziel eines akademisch-universitären Berufsweges -, kehrte er acht Jahre später, 1916, wieder nach Heidelberg auf seinen Lehrstuhl zurück. Diese Rückkehr empfand er ›in jedem Sinne als Heimkehr‹.1 In das geistige Klima, das die Universität zu Beginn dieses Jahrhunderts bestimmte und für das im Bereich der Geisteswissenschaften Namen wie Max Weber, Wilhelm Windelband, Ernst Troeltsch und Georg Jellinek stehen, gehörte Anschütz voll hinein und er prägte selbst das geistig-politische Profil mit, das die Universität in der Weimarer Zeit auszeichnete. Mehr noch: Für den Bereich des öffentlichen Rechts sind, blickt man auf die ersten Jahrzehnte dieses Jahrhunderts, die Namen von Anschütz und Georg Jellinek mit Heidelberg bedeutungsgleich.

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Anmerkungen

  1. 1.
    Schreiben an den Rektor der Universität Heidelberg vom 31.12. 1915, Personalakte Gerhard Anschütz, Universitätsarchiv Heidelberg.Google Scholar
  2. 2.
    Der Kommentar erlebte von 1919 bis 1933 vier Bearbeitungen und vierzehn Auflagen und hatte eine die anderen Kommentarwerke weit überragende Autorität.Google Scholar
  3. 3.
    Die nachfolgende Darstellung wertet das Material aus, das Herr Ministerialrat Ek-kart Dahnke, Staatskanzlei Düsseldorf, in früheren Jahren zur Vorbereitung einer Dissertation über Gerhard Anschütz gesammelt hat. Für die Überlassung dieses Materials, ohne das diese Studie nicht hätte fertiggestellt werden können, bin ich Herrn Dahnke zu besonderem Dank verpflichtet.Google Scholar
  4. 4.
    Aus meinem Leben. Erinnerungen von Gerhard Anschütz, Manuskript, Seite 1.Google Scholar
  5. 5.
    Gerhard Anschütz, Die Verfassungsurkunde für den preußischen Staat. Ein Kommentar für Wissenschaft und Praxis, Berlin 1912, Seite 94.Google Scholar
  6. 6.
    Ebendort, Seite 229/30.Google Scholar
  7. 7.
    Gerhard Anschütz, Die bayrischen Kirchenverträge von 1925. Berlin [o.J.] 1925, Seite 5.Google Scholar
  8. 8.
    Ebendort, Seite 5.Google Scholar
  9. 9.
    Der Brief ist datiert vom 16. Mai 1930.Google Scholar
  10. 10.
    Brief vom 16. Juli 1930 an Professor Carl Schmitt, Seite 4.Google Scholar
  11. 11.
    Rudolph Sohm, Die sozialen Aufgaben des modernen Staates, Leipzig 1898, Seite 29.Google Scholar
  12. 12.
    Gerhard Anschütz (wie Anm.4), MS Seite 209.Google Scholar
  13. 13.
    Ebendort, Seite 211.Google Scholar
  14. 14.
    Die juristische Fakultät der Universität Berlin von der Gründung bis zur Gegenwart in Wort und Bild, in Urkunden und Briefen. Hrsgg. von Otto Liebmann, Berlin 1916, Seite 188.Google Scholar
  15. 15.
    Gerhard Anschütz (wie Anm.4), MS Seite 249.Google Scholar
  16. 16.
    Zur wissenschaftlichen Würdigung dieses Werks siehe Beitrag von Ernst Forsthoff,Google Scholar
  17. unten S.178f.; ferner die ausführliche Besprechung von Richard Thoma, Zeitschrift für Politik 7 (1914) S.280–86.Google Scholar
  18. 17.
    Gerhard Anschütz (wie Anm.4), MS Seite 253.Google Scholar
  19. 18.
    Ebendort, S. 280.Google Scholar
  20. 19.
    Gerhard Anschütz, Gedanken über künftige Staatsreformen, in: Timme/Legien, Die Arbeiterschaft im neuen Deutschland, 1915, Seite 53.Google Scholar
  21. 20.
    Ebendort, Seite 57.Google Scholar
  22. 21.
    Gerhard Anschütz, Parlament und Regierung im Deutschen Reich, Vortrag in der Wiener Juristischen Gesellschaft am 13. März 1918: Allgemeine Österreichische Gerichtszeitung 69 (1918), Seite 124.Google Scholar
  23. 22.
    Gerhard Anschütz, Zukunftsprobleme Deutscher Staatskunst. Rede am 2.1.1915, Berlin 1917, Seite 9. Auf Seite 2 findet sich folgender Vermerk: ›Diese Rede ist am 22. Januar 1915 gehalten worden. Ihrer Veröffentlichung innerhalb der fortlaufenden Reihe der ›Deutschen Reden in schwerer Zeit‹ standen Zensurbedenken entgegen, die erst jetzt (Januar 1917) behoben sind. Die Rede erscheint hier in der Form, in der sie gehalten wurde, bis auf die Erörterungen über Polen, die fortgelassen werden mußten.‹Google Scholar
  24. 23.
    Gerhard Anschütz (wie Anm.4), MS Seite 403, 413.Google Scholar
  25. 24.
    Siehe dazu die Würdigung bei Forsthoff, unten S. 180 f.Google Scholar
  26. 25.
    In dieser Weise wird die Weimarer Verfassung von Anschütz in seinen Erinnerungen geschildert (wie Anm.4), MS Seite 427.Google Scholar
  27. 26.
    Siehe Gerhard Anschütz, Die Verfassung des Deutschen Reiches vom 11. August 1919, 14. Aufl., Berlin 1933, Bern. 3 zu Art. 76 (S.403). Auf dem in Art. 76 vorgesehenen Gesetzgebungsweg können ›Verfas-sungsrechtsänderungen jeder Art bewirkt werden..., einschließlich solcher, die sich auf die rechtliche Natur des Reichsganzen (Bundesstaat), die Zuständigkeitsverteilung zwischen Reich und Ländern, die Staatsund Regierungsform des Reiches und der Länder (Republik, Demokratie, Wahlrecht, Parlamentarismus, Volksentscheid, Volksbegehren) und andere prinzipielle Fragen (Grundrechte!) beziehen.‹ Die Gegenauffassung, wie sie vor allem von Carl Schmitt vertreten wird, kann nur ›die Eigenschaft einer de lege ferenda beachtlichen politischen Forderung‹ beanspruchen (405).Google Scholar
  28. 27.
    Der Text bei Forsthoff, unten Seite 175.Google Scholar
  29. 28.
    Ein amtliches Dokument dafür ist das Schreiben des Rektors der Universität Heidelberg an Gerhard Anschütz vom 1. April 1933, Personalakte Gerhard Anschütz, Universitätsarchiv Heidelberg.Google Scholar
  30. 29.
    Gerhard Anschütz (wie Anm.4), MS Seite 282.Google Scholar
  31. 30.
    Schreiben des Rektors und des Dekans der juristischen Fakultät der Universität Zürich an den Rektor und den Dekan der juristischen Fakultät der Universität Heidelberg vom 27. Mai 1948, Personalakte Gerhard Anschütz, Universitätsarchiv Heidelberg.Google Scholar

Anmerkungen

  1. 1.
    Halle 1891.Google Scholar
  2. 2.
    Die gegenwärtigen Theorien über den Begriff der gesetzgebenden Gewalt und den Umfang des königlichen Verordnungsrechts nach preuß. Staatsrecht, 2. Aufl. Tübingen/Leipzig 1901.Google Scholar
  3. 3.
    Veröffentlicht zuerst im Verwaltungsarchiv, Bd. 5 (1897), S. 1–136.Google Scholar
  4. 4.
    Gerhard Anschütz, Das preußisch-deutsche Problem, Tübingen 1922.Google Scholar
  5. 5.
    6. Aufl. bearb. von Gerhard Anschütz, München/Leipzig 1912.Google Scholar
  6. 6.
    Die Verfassungsurkunde für den preußischen Staat, Bd. 1, Berlin 1912.Google Scholar
  7. 7.
    Erschienen 1923 im Verlag Mohr, Tübingen (Recht und Staat, Heft 26).Google Scholar
  8. 8.
    Datiert vom 16. Juli 1930.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1985

Authors and Affiliations

  • Ernst-Wolfgang Böckenförde
  • Ernst Von Forsthoff
    • 1
  1. 1.HeidelbergDeutschland

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