Zusammenfassung

Die Entwicklung der Techniken und Verfahren für die Anästhesie im Kindesalter war zwangsläufig abhängig von der Entwicklung der Kinderchirurgie. Bis zum Jahr 1930 beschränkten sich operative Eingriffe bei Kindern im wesentlichen auf Tonsillektomien, Adenotomien, Herniotomien und Appendektomien, also insgesamt auf die sog. „kleinen“ Operationen. Entsprechend „klein“ waren auch die Anforderungen an die Anästhesie, da diese Eingriffe ohne weiteres bei erhaltener Spontanatmung möglich waren. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die Äthertropfnarkose über Jahrzehnte das Narkoseverfahren der Wahl für das Kindesalter war. Obwohl nach 1930 zunächst vereinzelt andere Verfahren beschrieben wurden — Ayre [9] propagierte 1937 die Intubationsnarkose und sein Spülsystem für die operative Korrektur von Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, Gross [169] ligierte 1938 zum ersten Mal einen offenen Ductus arteriosus Botalli unter Überdruckbeatmung mit einem Pendelsystem —, blieb die Äthertropfnarkose noch über lange Zeit führend. Ihr entscheidender Nachteil bestand jedoch in der Unmöglichkeit einer Beatmung; die Aufrechterhaltung einer ausreichenden Spontanatmung war daher unabdingbar. Deshalb mußte dieses Narkoseverfahren in dem Augenblick an seine Grenzen stoßen, als ausgedehnte Oberbaucheingriffe und intrathorakale Operationen — etwa im Rahmen der Ösophagus- oder Herzchirurgie — eine Überdruckbeatmung erforderten. Die mit den operativen Eingriffen einhergehenden Anforderungen an die Narkosetechniken, beginnend am Ende der 30er Jahre, insbesondere ab 1950, machten neue Verfahren zwingend notwendig. Dazu wurden bereits vorhandene Techniken wieder aufgegriffen, ausgebaut oder neue Entwicklungen in Angriff genommen.

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1985

Authors and Affiliations

  • Karl-Heinz Altemeyer
    • 1
  1. 1.Zentrum für AnästhesiologieUniversität UlmUlmDeutschland

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