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Melancholie pp 181-193 | Cite as

Grundfragen der Therapie Melancholischer

  • Hubertus Tellenbach

Zusammenfassung

Daß bei der Explikation von Grundfragen der Therapie das Problem der Suicidverhütung allem voransteht, soll eigens bedacht sein. Die Suicidalität gehört der umfassenden Sphäre der Geworfenheit an, Geworfenheit als Sterblichkeit, als Enden-müssen der Menschennatur; doch gründet die Möglichkeit einer dergestalt gegen das Dasein als es selbst gerichteten Aggression in einem der eigenen Erfahrbarkeit entzogenen, aber andererseits auch nicht im Denken begründeten „apriorischen Wissen“ (H. KUNZ, 1969). Da in der Melancholie das Gefüge von Geworfenheit und „Sorge“ (im Sinne der existenziellen Daseinsvollzüge) so entordnet ist, daß ein Leiden ohne Hoffen resultiert (TELLENBACH, 1966), daß vielmehr das Hoffen jene pervertierte Form annimmt, das im Dasein nicht zu Verwirklichende jenseits des Daseins zu verwirklichen; oder — um mit den Worten von A. KRAUS (1972) zu sprechen: „daß so etwas wie ein unausweichlicher Determinismus der Werte entstehen kann, der in den Suicidimpulsen um den Preis einer Zerstörung der konkreten Existenz eine Aufrechterhaltung der in diesen Werten ausgelegten ideellen Identität des Selbst verlangt“: dies vergegenwärtigend ist die Verhinderung des Suicids ein basaler, vom Ganzen her blickender und das Ganze bedenkender therapeutischer Akt, den wir auch bei H. KRANZ (1972) mit Recht allem vorangestellt sehen, was über „Depressionen“ zu sagen war.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1983

Authors and Affiliations

  • Hubertus Tellenbach
    • 1
  1. 1.Abteilung Klinische Psychopathologie der Psychiatrischen KlinikUniversität HeidelbergHeidelbergDeutschland

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