Zusammenfassung

Wenn man die große Wende der Medizin des ausgehenden 18. Jahrhunderts und damit das endgültige Verlassen der antiken Vorbilder ins Auge faßt, so wird man die Grände hierzu in einem empirischen Programm suchen müssen, wie es sich die Medizin in Brown gegeben hat, der wiederum nur in einer Kette anderer Autoren, d. h. in einem Diskurs steht und darin begriffen werden muß. Die Empirisierung der Medizin geht indes weit über die Annahme der Methoden des Empirismus hinaus, sie strukturiert das medizinische Begriffsinstrumentarium völlig neu; in ihr verwirklicht sich die Homogenisierung von Pathologie und Physiologie, wobei es eine Physiologie nunmehr im Physiologischen i.e.S. und Pathologischen gibt. Die Physiologie, kaum der „anatomia animata“ entwachsen, dehnt sogleich ihren Geltungsbereich ins Pathologische aus, um danach zu neuen organismischen Strukturen, zu Geweben und Zellen, aufzubrechen. Getrennt wird die Physiologie, nun Wissenschaft vom Normalen, von der Pathologie einzig durch Grade, und die Suche nach geeigneten Meßverfahren wird Pflicht und Not; denn hierin liegt, soll nicht Identität, und damit letztlich auch Ununterscheidbarkeit von krank und gesund die Folge sein, die Möglichkeit, ihre tatsächliche Divergenz zum Vorschein zu bringen. Im Messen liegt aber auch das fast schon wieder magisch zu nennende Versprechen wissenschaftlicher Objektivität, liegt auch die „Ausgrenzung des Subjekts aus der Medizin“, welches sich künftig, vom minder wissenschaftlichen subjektiven „Wohlund Übelbefinden“ geleitet, dem objektiveren, weil meßbaren Befund gegenüber sehen wird.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1981

Authors and Affiliations

  • Thomas Henkelmann
    • 1
  1. 1.Institut für Geschichte der Medizin der UniversitätHeidelbergGermany

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